Quadratgruppen, Unterbrechungen, Relationen und Varianten

Vorgestern habe ich den in Schlesien geborenen und heute in Berlin lebenden Konkreten Künstler Horst Bartnig vorgestellt. Seit über 50 Jahren arbeitet er im konstruktiven, konkreten Bereich und sein Schaffen umfasst die unterschiedlichsten Werkgruppen, von den „Relationen“ über die „Variationen“ bis hin zu den „Unterbrechungen“ und „Quadratgruppen“. Horst Bartnig nutzt in seinem Schaffen das ganze Formenvokabular der Konkreten Kunst und seine Liebe zur Mathematik.

Rote Unterbrechungen, schwarze Striche, 1993
Horst Bartnig, 1993,
Rote Unterbrechungen, schwarze Striche, Quelle: artnet

Er „… ist fasziniert vom klaren, nachvollziehbaren Aufbau [der konkreten] Malerei, verwirft jegliche Spontaneität im Arbeitsprozess und lässt sich auf keinerlei Zufälle ein.
Neben der geometrischen, eindeutigen Formensprache greift er einen weiteren Aspekt der Konkreten Malerei auf, nämlich den Umgang mit mathematischen Formeln und Berechnungen. Seit 1979 arbeitet er mit Mathematikern und Programmierern des Zentralinstituts für Informatik und Rechentechnik in Berlin-Adlershof zusammen. Das Ergebnis ist eine Malerei, die formal und farblich in visueller Eindrücklichkeit logische Entwicklungsreihen darbietet und variiert, wobei es um mehr geht als die Illustration mathematischer Zahlenkombinationen. Im Vorfeld einer malerischen Arbeit in Acryl auf Leinwand stehen bis zu hundert errechnete Zeichnungen am Computer. Dieses Verfahren der enumerativen Visualisierung dient dazu, eine Bildidee zu entwickeln. …
Eine frühe Erfahrung am Computer, nämlich die Beobachtung, dass der Rechner sehr exakte Striche zu zeichnen vermag, löst die Werkgruppe der „Unterbrechungen“ aus. Das nämlich, was der Computer nicht zeichnen soll, die Unterbrechungen zwischen den Strichen, wird zum Ziel Bartnigs künstlerischen Arbeitens. Analog zur Pause, zum Nicht-Gespielten in der Musik, thematisiert er in der Malerei die visuelle Pause, das Unsichtbare – das, was dazwischen liegt. Durch die Setzung der Farben, etwa in Komplementär- oder Warm-Kalt-Kontrasten, ergeben sich weitere Möglichkeiten, die unterbrochenen Linien zu rhythmisieren und zu dynamisieren. Es entstehen Wechselwirkungen zwischen Struktur und Farbe, wodurch der Eindruck des Zufälligen erweckt wird, jedoch jede Platzierung und jede Unterbrechung exakt berechnet bleibt. Anders als die Pioniere der Konstruktiv-Konkreten Kunst verbindet Bartnig keinerlei Zahlenmystik oder Welt erklärende Philosophie mit seinem Schaffen und bleibt trotz des Hilfsmittels Computer ein Maler, der authentisch mit Farbe auf Leinwand ein konsequentes Werk erarbeitet.“

Quelle: Museum Ritter Online, unter:
https://www.museum-ritter.de/, aufgerufen am 02.05.2019

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