Das blaue Dreieck

Vorgestern habe ich an dieser Stelle über den Meisterschüler von Joseph Beuys – Blinky Palermo und seine Minimal Art geschrieben. Hier noch ein Auszug aus einem Blogbeitrag des Städel Museums in Frankfurt über ein blaues Dreieck des Künstlers:

Ausstellungsplakat mit blauem Dreieck: Blinky Palermo. Galerie Friedrich und Dahlem, München.

„Eine der drei gerahmten Papierarbeiten, die Teil des Werkes „Blaues Dreieck“ (1969) sind, ist gleichzeitig die Anleitung zur Installation: „Malen Sie mit Hilfe der Schablone ein blaues Dreieck über eine Tür. Verschenken Sie dann das Original Blatt“. Gesagt, getan. Die Schablone wurde über einem Türsturz in den Ausstellungsräumen der Gartenhallen angehalten und mit blauer Farbe (Plaka dunkelblau Nr. 35) von Mitarbeitern des Städel Museums ausgemalt. Doch wozu das Ganze? …

Das „Blaue Dreieck“ Palermos erinnert an das 1915 entstandene Werk „Das schwarze Rechteck und das blaue Dreieck“ des russischen Malers und Avantgardisten Kasimir Malewitsch (1879–1935) – einem der ganz frühen Beispiele einer abstrakten, besser ungegenständlichen Kunst. Nicht nur dessen Kunst hat auf den jungen Palermo großen Einfluss gehabt, auch die Farblehrtheorie des Bauhauslehrers Wassily Kandinsky (1866–1944) beeinflussten ihn. Ebenso könnte man einen assoziativen Bogen zum Blau Yves Kleins (1928–1962) spannen, oder zu Jonathan Monks Text-Bild „Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen!“…, welches sich wiederum auf Sigmar Polke bezieht. Ein kleines Dreieck also voller Kunstgeschichte.

Die Form des Dreiecks erschien in Palermos Arbeiten erstmals 1966 als ein Siebdruck in zwei Blautönen, den er schlicht „Blaues Dreieck“ nannte. Seither tauchte die geometrische Form immer wieder in seinen Arbeiten auf. Bei dem 1969 formulierten [Werk] war die Grundidee, dass nicht nur der Künstler, sondern auch jemand anderes, zu jeder Zeit ein solches „Palermo Dreieck“ selbst über eine Tür aufmalen konnte. Diese Arbeit, die mehr Idee oder Concept art, denn Malerei ist und die anonyme Vervielfältigung zum Wesen des Werks erhebt, macht Palermo zu einem der Vorläufer der Institutionskritik, der Institutional critique der 1980 und 90er, die sich gegen den übermächtig werdenden Kunsthandel wendet.

Palermo untersuchte in seinem Werk, welche Möglichkeiten das Medium der Malerei besitzt und versuchte diese zu erweitern. Das zeigt sich nicht nur in der Arbeit „Blaues Dreieck“, sondern auch in seinen berühmten Stoffbildern. … Hier wie dort werden mit einer simplen Formensprache Form und Farbe auf sich selbst reduziert.“

Quelle: Victoria Chow – Städelblog: „Was soll bloss dieses blaue Dreieck über der Tür?“, unter: http://blog.staedelmuseum.de/was-soll-blos-dieses-blaue-dreieck, augerufen am 10.03.2019

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