Der Begriff „Konkret“ setzt sich nur langsam durch!

1943 veröffentlicht Max Bill den Artikel „Von der abstrakten zur konkreten Malerei im XX. Jahrhundert“. In diesem Artikel stellt er sich und seine konkrete Kunst in die Folge der Entwicklung vom Kubismus über die Abstraktion bis hin zur geometrischen konstruktiven Konkretion. Erstmals wird der Begriff „Konkret“ und die abgeleitete „Konkrete Kunst“ damit in einen kunstgeschichtlichen Zusammenhang gebracht.

Im Jahr danach zeigt die Kunsthalle Basel dann eine von Max Bill organisierte Ausstellung unter dem Titel „Konkrete Kunst“, die den Begriff endgültig etabliert und die Differenzierung zu „abstrakt“ vollzieht. „Es folgt 1947 die Mailänder Präsentation ‚arte astratta concreta‘ und 1949 dann die … Stuttgarter Ausstellung [Zürcher Konkrete Kunst]. Doch setzt sich der Begriff ‚konkret‘ keinesfalls so durch, wie Bill das erstrebt, wohl aber das stilistische, gelegentlich auch formalistisch missverstandene Repertoire.“ Erst zehn Jahre später, Ende der fünfziger Jahre und nach der Gründung der Hochschule für Gestaltung in Ulm, gelingt es Max Bill und seinen Mitstreitern, den Begriff der ‚konkreten Kunst‘ nachhaltig zu platzieren. Dabei spielen Schüler der Hochschule und deren Publikationen ebenso eine Rolle, wie insbesondere auch ein Manifest von Karl Gerstner – ‚Kalte Kunst? – zum Standort der heutigen Malerei‘ – das viel beachtet die vier Hauptvertreter der Zürcher Konkreten und Josef Albers ins Zentrum der modernen Malerei rückt.

arte astratta concreta
Ausstellung „Arte Astratta Concreta“, Mailand, 1947

„Zusammenfassend ergibt sich, dass Bill nicht am Anfang des Begriffs „konkret“ steht, wohl aber bei dessen Durchsetzung in der Schweiz und daher, wenn von Konkreter Kunst in der Schweiz oder den Zürcher Konkreten die Rede ist, immer zuerst an Bill gedacht wird. Bill hat dies auch durch seine publizistische Tätigkeit unterstützt.“ Damit kann Max Bill eine Vorreiterrolle für den Begriff in der Schweiz in Anspruch nehmen kann. Die anderen Zürcher Konkreten Künstler werden anschließend in ihrer Stellung nun oft gegenüber Bill hintenangesetzt, was insbesondere zu Spannungen zwischen Richard Paul Lohse und Max Bill führt.

Quelle: Jörg Stürzebecher, „Die Zürcher Konkreten – ein Mythos“, in: Die Konkrete Idee – Konkrete Kunst als ideengeschichtliche Entwicklung, Hrsg.: Museum für Konkrete Kunst, Wienand Verlag , Köln, S. 37ff.

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