Carmen Herrera – die alte Dame der kubanischen, geometrischen Kunst

Noch einmal zur Kubanerin Carmen Herrera, über die ich bereits letzte Woche geschrieben habe: Eine vielbeachtete Ausstellung in Birmingham macht die kubanische Künstlerin mit über 90 Jahren weithin bekannt und inzwischen haben Museen in der ganzen Welt Werke von ihr erworben. Anfang 2018 widmet dann die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen der Künstlerin aus Kuba eine große Retrospektive.

„In Kuba geboren 1915 als eines von sieben Kindern der Journalistin Carmela Nieto de Herrera, beginnt Carmen bereits früh zu zeichnen. Es ist eine Zeit politischer Unruhen und ständig wechselnder Diktaturen. Einige ihrer Freunde verschwinden während des Machado-Regimes. Schule und Studium finden irgendwie zwischendurch statt. „Ich war sehr jung damals“, erinnert sie sich, „und hatte einige Freunde, die sich für Architektur begeisterten. Denen wollte ich nacheifern. Sie hatten so viel Enthusiasmus, dass ich dachte, das muss ein gutes Studium sein. Also habe ich ungefähr zwei Jahre Architektur studiert, aber dann habe ich meinen Mann in Kuba kennengelernt und geheiratet, bin in die USA gekommen und habe vollkommen mit der Architektur aufgehört. Hier habe ich dann mit der Malerei begonnen.“

Die Art Students League in New York ist seit 135 Jahren eine der Institutionen für Künstler und jene, die es werden wollen. George Grosz hat hier unterrichtet und Jackson Pollock hat hier studiert. Als Carmen Herrera in den 1940er Jahren hierher kommt, sind es vorwiegend Frauen, die Kunst studieren. Die Männer sind im Krieg. Ihren Stil abstrakter Geometrien entwickelt sie aber erst, nachdem sie die Art Students League verlässt. „…

1948 nahm sich Herreras Mann, mit dem sie 61 Jahre lang verheiratet war, eine Auszeit in Paris. Sechs Jahre sollten die beiden in Frankreich verbringen. Es war die schaffensreichste Zeit ihres Lebens, die Wände ihres Ateliers in Paris waren von unten nach oben mit Bildern behängt. Und das blieb auch so. „Damals hat sich niemand für meine Arbeit interessiert oder nur sehr wenige“, erklärt Herrera. „Aber ich dachte nicht daran, anders zu malen, nur, um jemandem einen Gefallen zu tun oder mich dem Zeitgeschmack unterzuordnen. Viele meiner Künstler-Freunde malten vollkommen anders und waren erfolgreich. Aber ich dachte nicht im Traum daran, ihren Stil zu imitieren, denn es war nicht mein Stil.“ …


Carmen Herrera, Blanco y verdeCC BY-SA 4.0

Als 2009 der Kurator der Ikon-Gallery in Birmingham im Internet nach Bildern des venezolanischen Malers Arturo Herrera sucht, stößt er auch auf die Namensvetterin. Aus einem reinen Zufall entsteht die erste Retrospektive der Malerin in Europa. Die englischen Kritiken feiern Carmen Herrera als die Entdeckung des Jahrzehnts.“

Quelle: Alexander W. Rauscher für Kulturzeit, „Später Ruhm“, 22.01.2010, unter 3Sat Online, http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?tab=2&source=/kulturzeit/tips/141327/index.html, aufgerufen am 01.05.2018

Weitere Informationen zur Künstlerin und Ausstellung unter: Carmen Herrera – Lines of Sights

Einige ihrer Werke bei WikiArt: Carmen Herrera

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