Die Minimal Art und das Objekt

Nochmal ein wenig zur Minimal Art: Innerhalb der Minimal Art kommt dem Objekt eine zentrale Bedeutung zu – das Objekt wird zum zentralen Begriff der Minimal Art. Dafür sind insbesondere die theoretischen Schriften von Donald Judd wichtig. Er hat diese Mitte der sechziger Jahre veröffentlicht und damit so etwas wie ein Manifest der Minimal Art geschaffen. Hier ein Link zu einer dieser wichtigen Schriften, in denen das Objekt in den Mittelpunkt der Überlegungen gestellt wird: Specific Object (in englischer Sprache).


Donald Judd, Untitled (1988-1991), Jerusalem, Israel
TalmoryairDonaldֹJudd IMJCC BY-SA 4.0

„Mit dem Begriff „Objekt“, der innerhalb der Kunst bis dahin keine Verwendung gefunden hatte, betonte Judd das Neue an der Minimal Art; er definierte damit eine neue Werkform, die sich absetzte von den herkömmlichen Werkformen Malerei und Plastik. Und er verwies zugleich auf das Ding, das man aus dem Alltag kannte, auf den Gebrauchsgegenstand, der in Massenproduktion hergestellt wurde. Mit „spezifisch“ wiederum meinte Judd die Selbstidentität, den Eigenwert der Objekte und Materialien: „They are specific. If they are used directly, they are more specific. Also, they are usuaily aggressive. There is an objectivity to the obdurate identity of a material.“ Was hier anklingt, ist nichts anderes als die Idee der Konkreten Kunst, ausschließlich ihre bildnerischen Mittel zur Schau zu stellen. Setzte man in der Konkreten Kunst lange Zeit vor allem auf die unmittelbare Wirkung von Farbe und Form, war es in der Minimal Art die unmittelbare Wirkung, die bloße Präsenz von Objekten in ihrem spezifischen räumlichen Zusammenhang. Die Minimal Art lässt sich in diesem Sinne als konsequente Steigerung und Fortsetzung der Konkreten Kunst ins Räumliche betrachten. Eine These, die nicht neu ist, bisher aber nicht ausgeführt wurde. Und man könnte weiter fortfahren und argumentieren, dass sogar die Begriffe „Iiteral“ und „specific“, die die Minimal Art definieren, im Grunde genommen dem Begriff „konkret“ entsprechen: Objekte der Minimal Art erscheinen nur als das, was sie sind, Oberfläche und Volumen, das heißt, sie täuschen nichts vor, sie verweigern sich jeglichem Inhalt und jeglicher Bedeutung, was schon in Stellas tautologischem Satz „What you see is what you see“ zum Ausdruck kommt.“

Quelle: Markus Zehentbauer: „Ever heard of Concrete Art? Ein Besuch bei den Verwandten in den Amerika“, in: Die Idee Konkret, hrsg. von Tobias Hoffmann, Museum für konkrete Kunst Ingolstadt, Wienand Verlag, Köln, S. 79f.

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