Künstler schreiben nicht über die Kunst, sondern aus der Kunst heraus

Ein fast einhundert Jahre alter Text von Theo van Doesburg soll am Anfang einer kleinen Reihe von Textauszügen und Überlegungen stehen, die sich mit eben Theo van Doesburg und dem theoretischen Fundament der Konkreten Kunst befassen.

Theo van Doesburg ist so etwas wie der Urvater der Konkreten Kunst und taucht daher in diesem Blog mit schöner Regelmäßigkeit auf. Die wichtigen bisherigen Blogeinträge zu Theo van Doesburg habe ich in einer Kategorie ‚Van Doesburg – Vater der Konkreten Kunst‘ zusammengefasst.

composition-xxi-1923

Theo van Doesburg, Komposition XXI, 1923, (c) gemeinfrei

Als Einleitung der Reihe soll Theo van Doesburgs Einleitung in seine Schrift zu den Grundbegriffen der neuen gestaltenden Kunst stehen. Ein Text aus den frühen zwanziger Jahren, der an Aktualität kaum verloren hat. Ein Text der begründet, warum Kunsttheorie so wichtig für den Kunstbetrieb ist; ein Text der Verständnis für die Theorie schaffen soll:

„Von den vielen Vorwürfen, die man gegen die modernen Künstler erhebt, ist wohl einer der wichtigsten, dass sie sich nicht nur mit dem Werk, sondern noch mit dem Wort an die Öffentlichkeit wenden. Die den Künstlern diese Vorwürfe machen, vergessen erstens, dass in dem Verhältnis des. Künstlers zur Gesellschaft eine Verschiebung stattgefunden hat und zwar eine Verschiebung im sozialen Bewusstsein‚ zweitens, dass das Schreiben und Sprechen des Künstlers über sein Werk natürliche Folge des allgemein herrschenden Missverstehens der modernen Kunstoffenbarungen von Seiten des Laien ist. Da die Werke jenseits der Bewusstseinsgrenze vieler Zeitgenossen liegen, sind es diese selbst, die die Künstler um Aufklärung bitten. Infolge solcher Fragen, mögen sie spöttisch oder ernsthaft gestellt sein, wurde es den Künstlern eine Gewissensangelegenheit, auch mit dem Wort für ihre Werke einzutreten.

Hierdurch entstand das Missverständnis, die modernen Künstler seien zu sehr Theoretiker und Ihre Werke entstünden aus a priori angenommenen Theorien. In Wirklichkeit ist genau das Gegenteil der Fall. Die Theorie entstand als notwendige Folge der schaffenden Tätigkeit. Die Künstler schreiben nicht über die Kunst, sondern aus der Kunst heraus.“

Quelle: Theo van Doesburg, „Grundbegriffe der neuen gestaltenden Kunst“, Nachdruck des Band 6 der alten Reihe der ‚Bauhausbücher‘, herausgegeben 1925, F.S.9 Kupferberg Verlag, Mainz, 1966, S. 5

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