„Black is beautiful“ – Mark Rothko, Frank Stella, Robert Rauschenberg, …

Passend zum „Black Friday“, „Black Shopping Week“ und zu meinem Blogeintrag letzte Woche zu den „Black Paintings„, hier nochmal ein Artikel zur Farbe Schwarz bzw. den amerikanischen Künstlern der Generation von Frank Stella und ihre Auseinandersetzung mit „Schwarz“:

„Ende der 1940er Jahre beschäftigten sich Künstler der New York School – Robert Rauschenberg, Ad Reinhardt, Mark Rothko, Frank Stella und Barnett Newman – intensiv mit der Farbe Schwarz. Es entstand eine erstaunliche Anzahl von nahezu monochromen schwarzen Bildserien, die heute die Glanzstücke international bedeutender Sammlungen bilden…

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Mark Rothko, Schwarz auf dunkler Siena auf Rosa, 1960, (c) Fair Use

Robert Rauschenberg (geb. 1925) begann 1951 als Erster eine Serie mit schwarzen Bildern, die ihn 1954 zu seinen Combine-Paintings führten. Fünf Jahre später, 1956, entschied Ad Reinhardt (1913-1967), nur noch schwarze Bilder zu malen. 1960 legte er sich zudem auf ein bestimmtes Format und eine Binnenstruktur fest, so dass bis zu seinem Tod im Jahr 1967 ausschließlich schwarze, quadratische Gemälde mit einer Kreuzstruktur entstanden. Frank Stella (geb. 1936) schuf zwischen 1958 und 1960 vierundzwanzig schwarze Gemälde. Er tat dies, ähnlich wie Rauschenberg, zu Beginn seiner Karriere.

Ab 1957 wurde auch die Farbpalette von Mark Rothko (1903-1970) dunkler, bis er schließlich 1964 zu seinen Black-form Paintings gelangte. Seine dunklen Bilder entstanden meist raumbezogen und fanden ihren Höhepunkt in den Werken der Kapelle in Houston, an denen Rothko 1964 zu arbeiten begann.

Welche Bedeutung nehmen die schwarzen Bilder im gesamten Schaffen der Künstler ein? Welche Wechselwirkung gibt es zwischen der Persönlichkeit eines Künstlers, den geistigen Inhalten, mit denen er sich beschäftigte, und der künstlerischen Phase, in der er sich befand, als er die schwarzen Bilder malte? …

Dass die schwarzen Serien der vier Künstler einen Übergang oder Wandel kennzeichnen, ihn thematisieren oder erst ermöglichen, ist vielleicht auch ihre interessanteste Gemeinsamkeit. Die schwarzen Bilder besaßen für Stella und Rauschenberg eine klärende Funktion; für Rothko waren sie ein Höhepunkt, den er regelrecht angestrebt hatte; für Reinhardt wurden sie zu Bausteinen seines Manifests der großen Verweigerung.

Ad Reinhardt und Mark Rothko, die Väter der amerikanischen Avantgarde, verfolgen mit ihren schwarzen Bildern beharrlich und konsequent das Anliegen, ihre Sprache zu entfalten bis zu einem Stadium der Reife. Beide übersteigern dabei ein gewisses Maß: der eine sein Maß an Sachlichkeit, der andere sein Maß an Tragik. Bei Rothko steht Schwarz für die Leere und das Nichts, die den Betrachter auf existenzielle Fragen und Erfahrungen zurückwerfen; bei Reinhardt steht Schwarz für Verweigerung, für Unsichtbarkeit, Farblosigkeit und Gleichmut.

Robert Rauschenberg und Frank Stella, die jungen „Freiheitskämpfer“, verwenden die Farbe Schwarz, um die Spuren der Tradition und der eigenen Konditionierung verschwinden zu lassen und ihr Grundvokabular neu zu erfinden. Der eine wird die Welt des Alltags in sein Vokabular aufnehmen, der andere die Welt des Vieldeutigen und des Absurden. Schwarz steht bei Rauschenberg und Stella für die Beschränkung auf das Quasi-Nichts, das ihnen bei der Suche nach sich selbst als Ausgangspunkt dient. Für Rauschenberg bedeutet Schwarz auch das Nicht-Wissen, wie es für ihn künstlerisch weitergehen würde; bei Stella dagegen klingt eine gewisse Absurdität, eine Ort- und Zeitlosigkeit mit.“

Quelle: Einführung zur Ausstellung „Black Paintings“ – Haus der Kunst, München (15.09.06 – 14.01.07), online unter: https://www.art-in.de/incmeldung.php?id=1221, aufgerufen am 24.11.2018

Siehe auch:

„Black Paintings“ und die Absage an jegliche Bedeutung

4 Gedanken zu “„Black is beautiful“ – Mark Rothko, Frank Stella, Robert Rauschenberg, …

  1. Bis ich Black Paintings im Original gesehen hatte, stand ich diesen Bildern eher ablehnend gegenüber,,erschienen sie mir in den Reproduktionen einfach nur als tote schwarze Flächen. Aber stand ich davor, entdeckte ich, dass die Farbe lebt auf der Leinwand, das Schwarz wird farbig, zeigt Reflexe, Struktur, Lebendigkeit, die kein Foto vermitteln kann.
    Ich war nur faszinierter Betrachter , der Bedeutungshintergrund war mir in dem Moment nicht so wichtig.

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