Aurelié Nemours – die Grande Dame der französischen Konkreten Kunst

In der Sammlung Heinz und Anette Teufel im Kunstmuseum Stuttgart gibt es einige Werke der Grande Dame der französischen Konkreten Kunst – Aurelié Nemours. Ich bin mehr und mehr fasziniert von der bei uns fast völlig unbekannten Künstlerin:

„Zunächst studierte Aurelie Nemours an der berühmten École du Louvre Kunstgeschichte, bis sie sich entschied, selbst Künstlerin zu werden. Während des Zweiten Weltkriegs schrieb sie sich in das Atelier von André Lhote ein, der eine sehr moderate abstrakte Kunstauffassung vertrat. Im Jahr 1948 wechselte sie in den weitaus aufgeschlosseneren Atelierbetrieb von Fernand Léger, der erst kurz zuvor aus den Vereinigten Staaten heimgekehrt war. Schließlich vollzog Nemours 1955 den entscheidenden Schritt zur konkreten Kunst: Sie malte von nun an nur noch streng geometrisch und verbannte sogar die Diagonale aus ihrem Formenvokabular. Von dem legendären Streit um die Diagonale, den Piet Mondrian mit Theo van Doesburg in den 1920er-Jahren austrug, erfuhr sie erst im Nachhinein. Sie selbst bekräftigte, dass Josef Albers mit seiner Serie Homage_to the Square und ihr Landsmann Auguste Herbin wichtige Impulsgeber für sie waren. …

In ihrem poetischen Umgang mit dem Bildgegenstand ist ein großer Unterschied zu anderen Konkreten wie Richard Paul Lohse festzustellen, der seine Malerei rein systematisch und rational begründete. Bei Nemours hingegen gibt es eine erzählerisch-assoziative Aufladung der Bilder, die weniger mit der Suche nach einer Bildsystematik als mit Intuition zu tun hat. In ihrer schwarz-weißen Serie Sériel Blanc aus den 1970er-Jahren geht es ihr um die Rhythmisierung des quadratischen Bildformats durch gemalte Quadratfolgen. In dieser Versuchsreihe spielt die Künstlerin nicht alle denkbaren Variationen durch, sondern erfindet immer wieder neue Anordnungen von kleinen Quadraten oder millimetergroßen Punkten. …

Nemours_Alignement_du_XXIe_siècle

Aurélie Nemours, L’Alignement du XXIe siècle, CC0

Obwohl Aurelie Nemours als eine Einzelgängerin zu bezeichnen ist, war sie doch mit den anderen Konkreten gut bekannt. Für Paris war der Salon des Réalités Nouvelles, der 1946 maßgeblich auf Betreiben von Auguste Herbin gegründet wurde, bis 1957 eine zentrale Institution. Hier tauschten sich Künstler aus vielen Ländern aus. … In diesem fruchtbaren Umfeld fand Nemours zahlreiche Ausstellungsmöglichkeiten. Eine herausragende Anerkennung wurde ihr jedoch erst vor ihrem Lebensende mit der großen Retrospektive im Pariser Georges Pompidou im Jahr 2004 zuteil.“

Quelle: Simone Schimpf: „Aurelié Nemours“, in: Konkret. Die Sammlung Heinz und Anette Teufel im Kunstmuseum Stuttgart, Bestandskatalog Bd. 1, Stuttgart, 2009, S. 226

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