Richard Serras Kunst ist Gegen-Minimalismus

Letzte Woche habe ich über Richard Serras monumentale Skulpturen „Matter of Time“ im Guggenheim Museum Bilbao geschrieben. „Matter of Time“ füllt einen langgezogenen Raum mit großen, wuchtigen Stahlplattenskulpturen. Der Besucher kann durch diese Skulpturen gehen und die Räume zwischen den Platten erfahren. Die schweren Stahlplattenkonstruktioen sind alles andere als „minimal“, sie sind „gegen-minimal“.

Richard Serra

Richard Serra, Berlin Curves, Stahl, 1986,
anonym, Serra, Berlin Curves, Stahl, 1986, CC BY-SA 3.0

Hier ein Artikel aus Der Zeit zum „Gegen-Minimalismus“ von Richard Serra:

„Der Künstler will den Betrachter mit dem wuchtigen Stahl nicht erschlagen, sondern ihm eine neue Raumerfahrung bescheren: Ich versuche, der Leere eine Form zu geben, sagt er. Der Raum ist mein Material. Die Stahlstruktur dient nur dazu, den Raum zu konstruieren, auch wenn sie 500 Tonnen schwer ist. Und wie kann er den Raum seiner Skulpturen erspüren, wenn er nicht in Originalgröße, sondern mit Modellen arbeitet? Man hat irgendwann ein Gefühl dafür, was für einen räumlichen Eindruck eine Wand hinterlässt, die um drei oder fünf Grad geneigt ist, sagt Serra. Man entwickelt ein Vokabular. Es geht um Schwerkraft, Spannung, Orientierungslosigkeit und Balance. Meine Kunst sorgt bei manchen Menschen für Kontrollverlust.

Bei der im MoMA [Museum of Modern Art New York] ausgestellten Monumentalskulptur Sequence von 2006 versteht man, was er damit meint: Der Besucher tappt in einen schmalen Gang, der von zwei meterhohen Stahlwänden begrenzt wird. Der Pfad schlängelt sich durch den Raum, bis man irgendwann den Orientierungssinn verliert. Und den Gleichgewichtssinn noch dazu, denn die rostigen Stahlwände krängen einmal stark nach rechts, dann wieder nach links, sodass man sich während des Laufens in die Kurve legt. …

Serras Formen stammen aus dem spröden Feld der Geometrie: Er baut Ellipsen, er hatte eine konische Phase, jetzt dreht und invertiert er gerade Tori, geometrische Figuren, die an Donuts erinnern. Seine Skulpturen sind präzise berechnet, mit Unterstützung von Mathematikern …“ und gehören trotz ihrer Dimensionen zur Kunstrichtung des Minimalismus.

Quelle: Tobias Timm: „Richard Serra – Atelierbesuch“, Die Zeit 31/2007 vom 26.07.2007

Siehe auch:

Richard Serras ‚Matter of Time‘ im Guggenheim Bilbao

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s