Ich habe in diesem Blog schon zweimal über Frank Stella geschrieben. Jetzt bin ich wieder über ihn gestolpert – in einem fast 30 Jahre alten art-Magazin habe ich eine ausführlichen, lesenswerten Bericht über den Künstler gefunden. Hier ein Auszug, in dem es mal wieder um die Black Paintings geht:
„Der junge Stella – fasziniert von der Konsequenz, mit der die damals noch lebenden New Yorker Künstler Barnett Newman, Mark Rothko und Ad Reinhardt die reine ungegenständliche Malerei betrieben – bedeckte „wie ein Lackierer“ seine Leinwände mit sieben Zentimeter breiten schwarzen Streifen mit jeweils einer Fingerbreite Abstand zum nächsten Streifen. Das war alles. Eine strenge Parallel-Aktion.

Abwechslung kam nur dadurch zustande, daß die rechtwinklig gezogenen oder diagonal geführten Streifen durch gespiegelte Symmetrien fein gesponnene Muster aus Dreiecken, Trapezen und Rhomben ergaben. Je nach Annäherung lassen sich solche Strukturen sowohl flächig als auch perspektivisch betrachten. Ein sich in der Tiefe verlierender Raum scheint auf. Diese Sehweise lehnt Stella jedoch entschieden ab. Denn jede Fiktion ist ihm zuwider. Sein Credo : „Man sieht, was man sieht.“ Die abstrakte Kunst soll keine Illusionen erzeugen. Sie soll so sein, wie sie tatsächlich ist: real, ohne Inhalt und ohne unterlegte Bedeutung.
Die Bilder stehen nur für sich selbst. Stella will, daß Malerei erfinderisch ist, aber sie darf nichts illustrieren: „Figur und Grund sind Altlasten der Kunst“, sagt er, die zu beseitigen sind. Das Erzählen überläßt er der Literatur. Abgelehnt wird auch die Komposition, dieses Ausbalancieren und Zuordnen nach Gewicht, Kontrast und Hierar- chie. Darum haben Stellas frühe Bilder keinen Anfang und keinen Schluß, keinen Schwerpunkt, keine Individualität, weder Vordergrund noch Hintergrund. Beginn und Ende werden allein durch die Abmessungen der Leinwand definiert. Die gemalten Streifen befinden sich gewissermaßen auf der Durchreise, sie hinterlassen ihre gleichmütigen und vollkommen regelmäßigen Spuren der Wiederholung auf Bildern, die nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit sind.
Der ganze Text und eben auch dieser Auszug findet sich: Peter M. Bode, „Kalkül und chaotische Leidenschaften“, in art-Magazin, 09/1989, S. 32ff.
Siehe auch:
Frank Stella: von „Black Paintings“ und „Shaped Canveses“
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