Konkrete Kunst in Dänemark

Ich möchte in den kommenden Tagen einmal in die konkrete Kunst in Dänemark eintauchen. Wer über konkrete Kunst spricht, denkt oft zuerst an unsere südlichen Nachbarn in der Schweiz, an strenge Systeme und theoretische Programme. Doch auch bei unseren Nachbarn im Norden entsteht nach dem Weltkrieg, fast unbemerkt, eine eigenständige und erstaunlich lebendige Variante der Konkreten. Sie ist vielleicht weniger dogmatisch, weniger kühl, aber gerade deshalb so nachhaltig.

Richard Mortensen, Kiel, 1971, Quelle: WikiArt, (c) FairUse

In Dänemark entwickelt sich konkrete Kunst nicht als radikaler Bruch, sondern als allmähliche Verschiebung. Schon in den dreissiger Jahren setzen sich dänische Künstler mit Konkreter Kunst auseinander. Nach dem Zweiten Weltkrieg suchen – wie in vielen Ländern Europas und der neuen Welt – auch Künstlerinnen und Künstler in Dänemark nach neuen Ausdrucksformen. Figuration wirkt erschöpft, zu eng verbunden mit alten Ordnungen. Stattdessen treten Farbe, Linie und Fläche in den Vordergrund. Nicht als abstrakte Theorie, sondern als konkrete, sichtbare Realität auf der Leinwand oder im Raum.

Zwei Namen stehen am Anfang dieser Entwicklung in Dänemark: Richard Mortensen und Robert Jacobsen. Beide arbeiten zeitweise in Paris, beide bewegen sich im internationalen Umfeld der Avantgarde – und beide bringen neue Impulse zurück nach Dänemark. Doch sie kopieren nicht einfach, was sie im Ausland sehen. Sie übersetzen diese Einflüsse in eine eigene, ruhigere Bildsprache.

Bei Richard Mortensen beginnt alles mit Bewegung. Seine Gemälde wirken, als würden sich Formen ständig neu ordnen. Linien stoßen aufeinander, Farben stehen in Spannung. Doch trotz dieser Dynamik bleibt eine klare Struktur spürbar. Nichts ist zufällig. Die Komposition entsteht aus einem inneren Gleichgewicht heraus, das sich dem Betrachter nach und nach erschließt.

Ganz anders, und doch verwandt, arbeitet Robert Jacobsen. Seine Skulpturen aus Eisen stehen im Raum wie Zeichnungen aus Metall. Sie sind offen, durchlässig, fast fragil – und zugleich präzise konstruiert. Hier zeigt sich eine zentrale Qualität der konkreten Kunst in Dänemark: Sie ist nie rein theoretisch. Sie bleibt immer mit Material, Gewicht und handwerklicher Erfahrung verbunden.

Was diese frühe Phase besonders macht, ist ihre Zurückhaltung. Es gibt keine lauten Manifeste, keine strengen Regeln, die alles festlegen. Stattdessen entsteht eine Praxis, die auf Beobachtung, Experiment und Austausch basiert. Die Künstler reagieren aufeinander. Die Klarheit ihrer Werke wirkt nicht kühl, sondern konzentriert.

Diese Haltung prägt die konkrete Kunst in Dänemark bis heute. Sie versteht sich nicht als abgeschlossenes System, sondern als offene Möglichkeit. Formen, Farben und Strukturen sind keine Selbstzwecke, sondern Mittel, um Wahrnehmung zu schärfen. Der Blick wird langsamer, genauer, bewusster. So beginnt die Geschichte der konkreten Kunst in Dänemark zwar auch mit Künstlergruppen, die sich mit Konkrter Kunst befassen, aber nicht mit großen theoretischen Programm, sondern mit einer Reihe von Entscheidungen: für Einfachheit, für Präzision und für eine Kunst, die sich nicht aufdrängt.

In den kommenden Tagen mehr dazu.

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