Winfred Gaul – informell und analytisch

Ein wichtiger Vertreter der Informellen und Analytischen Malerei in Deutschland ist Winfred Gaul. Der in Düsseldorf geborene und in Ostpreußen aufgewachsene Künstler macht nach dem zweiten Weltkrieg eine Bildhauerlehre und studiert anschließend zunächst in Köln Germanistik und Kunstgeschichte. 1950 entscheidet er sich dann ganz bewusst für ein Studium an der Kunstakademie in Stuttgart, um bei Willi Baumeister zu studieren, dem damals einzigen Lehrer für gegenstandslose Malerei an einer deutschen Kunstakademie. Nach einem Aufenthalt in Paris richtet er in Düsseldorf sein Atelier ein und beginnt an einer Reihe von abstrakten Landschaftsmalereien zu arbeiten. Noch in den fünfziger Jahren gelangt er zur Informellen Kunst und schließt sich 1955 der Gruppe 53 an. Diese Düsseldorfer Künstlergruppe gilt als eine der Keimzellen der Informellen Kunst in Deutschland. Die Informelle Kunst ist übrigens kein einheitlicher Stil in der Modernen Kunst, sondern charakterisiert eine künstlerische Haltung, die das klassische Form- und Kompositionsprinzip ebenso ablehnt, wie auch die geometrische Abstraktion.

Die Einflüsse seines Lehrers an der Kunstakademie, Willi Baumeister, sind in der frühen, informellen Werken von Winfred Gaul unverkennbar. Er experimentiert mit Farbe, die als Farbe zu seinem wichtigsten Ausdruckmittel wird.

Schon 1960 wendet sich Winfred Gaul dann allerdings von der Informellen Kunst ab, denn seiner Ansicht nach war die Informelle Kunst in ihrer Entwicklung an einem Punkt angelangt, an dem keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten waren. In den frühen sechziger Jahren entstehen – durch eine weiteren Reduktion von Form und Farbe und im Stil noch von der Informellen Kunst beeinflusst – die sogenannten Wischbilder.

Mitte der sechziger Jahre vollzieht Winfred Gaul dann einen radikalen Schnitt. Fortan wendet er sich der geometrischen Abstraktion zu. In einer Werkreihe ‚Verkehrszeichen und Signale‘ verwendet er erstmals strenge, geometrische Formen und Zeichen sowie klare, abgegrenzte Farben. Die Werke dieser Reihe und dieser künstlerischen Schaffensperiode lassen sich der Farbfeldmalerei, der Konkrete Kunst und vor allem Hard Edge Bewegung zuordnen. Die Auseinandersetzung mit der Farbe wird von nun an zum bestimmenden Element seiner Malerei. In den siebziger Jahren gelangt Winfred Gaul schließlich zur analytischen Malerei. In verschiedenen Werkreihen analysiert er die Wirkung von Farbe sowie Formen und entwickelt mehrteilige Werke mit unterschiedlichen Farb- und Formkompositionen.

Zum 90. Geburtstag – Hommage an Winfred Gaul (1928-2003) der Galerie Ludorff

Eine Reihe von Bildern der Werke des Künstlers finden sich bei Artsy: Winfred Gaul und auf den Webseiten der Galerie Ludorff: Winfred Gaul

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