Toni Grand und die in Kunstharz eingelegten Fische

Ein weiterer, wichtiger Vertreter der Supports/Surfaces Gruppe ist Toni Grand. Nach einem Literatur- und Kunststudium beginnt er Mitte der fünfziger Jahre mit der Bildhauerei, die ihn weithin bekannt macht.

Toni Grand verwendet in seinen Werken eine Vielzahl unterschiedlicher Materialien. Seine frühen Skulpturen sind bis Ende der sechziger Jahre oft aus Blei, Aluminium und Stahl gefertigt. Von da an bis Mitte der siebziger Jahre arbeitet er dann hauptsächlich mit Holz. In den späten siebziger Jahren beginnt Toni Grand mit synthetischen Kunstharzen zu experimentieren, die zum Einwickeln von Steinen, Holz, Knochen und sogar Fischen verwendet werden. Am bekanntesten wird Toni Grand tatsächlich mit den in Kunstharz eingelegten Fischen: Schuppenlosen Fluss- und Seeaale werden im Verbund mit Holz oder Stein verarbeitet. Nach einer Behandlung mit Formol werden sie in Kunstharz oder Fiberglas eingelassen.

Toni Grand
Nature et artefact. Rétrospective
mamco, Genève, Quelle: flickr

„Zwischen 1987 und 1993 produziert Toni Grand die Arbeiten, für die er am bekanntesten ist – offene, primäre, geometrische Formen (Fiberglastrommeln, rechteckige Aluminiumrahmen, dreieckige Sägeböcke), die in Harz getauchte Fische, hauptsächlich Aale, enthalten. Als auffälliger und unheimlicher Kontrapunkt zu den industriell hergestellten Formen dient der versteifte Fisch als Maßeinheit, die die Gesamtabmessungen einer bestimmten Arbeit festlegte. Toni Grands Reduktion eines lebenden Organismus auf eine versteinerte Maßeinheit kehrt die romantische Vorstellung von Bildhauerei als dem Einhauchen von Leben ins edle, aber träge Materialien um. Für Toni Grand bedeutet eine nüchterne Vergeltung der Erinnerungsfunktion der Skulptur eindeutig, zuzugeben, dass die Materialien leblos sind. Seine Betonung der Bewahrung von Spuren des organischen Ursprungs des Materials beschreibt jedoch auch die Trennung von Kunst und Technologie in die breiteren Kategorien von Natur und Kultur, sowie insbesondere auch die resultierende Unterwerfung der Natur durch die Kultur“

Quelle dieses Auszugs aus einem lesenswerten Essay in englischer Sprache über den Künstler: Hamza Walker, Toni Grand – Essay, 2000, online unter: https://renaissancesociety.org/publishing/67/toni-grand/, aufgerufen am 20.06.2022, (eigene Übersetzung)

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