André Valensi und die zerstörten Leinwände

André Valensi ist der jüngste Protagonist der Supports/Surfaces Gruppe. Dennoch prägen seine plastischen Auseinandersetzungen mit – zerrissenen und zerschnittenen – Leinwänden die Geschichte der Gruppe. Er teilt mit den anderen Gruppenmitgliedern die Überzeugungen, den Neue Realismus abzulehnen und diesem mit Werken zu begegnen, die die konservativen Annahmen von Kunst sprengen. In der Konsequenz arbeitet André Valensi mit unterschiedlichsten Materialen – die oben erwähnten Leinwände werden neben Textilien, Netzen und Schnüren wesentliche Bestandteile seine Werke in den siebziger Jahren. Zerstörung von Oberflächen einerseits und Erschaffung neuer Oberflächen andererseits sind die Hauptthemen der Werke dieser Jahre.

André Valensi, Sans titre, 1973
Quelle und (c) Ceysson & Bénétière

Vieler seiner quadratischen Werke sind aus zwei Leinwänden zusammengesetzt, auf die er mit einem Polsterpinsel Beize, nicht Farbe aufträgt. Sein Werkprozess besteht darin, ein quadratisches Stück aus der Mitte einer der Leinwände zu schneiden und es von Hand in die Mitte der anderen zu nähen. Anschließend näht André Valensi die erste, rahmenartige ausgeschnittene Leinwand auf ähnliche Weise wiederum auf eine neue Leinwand. „Er erklärt das Vorgehen: ‚Der Aspekt der Malerei, der traditionell ‚den Hintergrund‘ ausmacht, findet sich nun an der Oberfläche wieder. Mir bleibt nur noch, die Durchdringung der Farbe und ihre Wirkung zu messen. In Anbetracht dessen, dass mein Ausgangspunkt eine idealistische Problematik ist, sollte die doppelte Dicke der Leinwand das geeignete experimentelle Material für solche Arbeiten sein.‘ Ambiguität und Paradoxon sind der Kern dieser Problematik. Die Nähte kaschieren die Schnittspuren, wodurch das Freigelegte erneut kaschiert werden kann, so dass aus der zerstörten Leinwand ein Gemälde entsteht. André Valensi stellt seine Wertigkeit in Frage, lenkte die Aufmerksamkeit auf seine Oberfläche, positioniert diese von vorne nach hinten, von der Vorderseite und auf die Rückseite. Auf dieser Suche nach einer Art bildlichem Absoluten wird visuelle Illusion geschaffen und verleugnet.“

Quelle dieser Einführung in das Werk von André Valensi sind die Texte und Fotos der Webseite der Galerie Ceysson & Bénétière über den Künstler (eigene Übersetzung). Dort finden sich auch noch einige Fotos anderer Werke des Künstlers.

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