Claude Viallat, Supports/Surfaces und All-Over

Seit der Mitte der sechziger Jahre stellt Claude Viallat in seinem umfangreichen Werk nicht nur bekannte Themen und Motive, sondern auch die klassischen Techniken und Komponenten eines Bildes in Frage. Rer in Nîmes geborene und in Montpellier studierte Künstler, wird 1970 Mitglied der französischen Supports/Surfaces-Gruppe. Diese französische Künstlergruppe befasst sich – wie in den letzten Blogbeiträgen beschrieben – mit unterschiedlichen Ausdrucksformen bezüglich des Bildträgers (franz.: support) und der Bildoberfläche (franz.: surface). Claude Viallat gehört der Gruppe allerdings nur einige wenige Monate an und verlässt Supports/Surfaces nach Meinungsverschiedenheiten wieder, um seine Auseinandersetzungen mit Bildträgern und Bildoberflächen selber weiter zu betreiben.

Gemeinsam mit anderen Mitglieder der Supports/Surfaces Gruppe stellt Claude Viallat die Leinwand als Bildoberfläche und den Keilrahmen als Bildträger in Frage. Er verzichtet auf straffende Keilrahmen und verleiht der Leinwand somit eine eigene stoffliche Qualität, die als wesentlicher Bestandteil des Kunstwerkes hervortreten kann. „Gleichzeitig reduziert er sein malerisches Vokabular und arbeitet bald ausschließlich mit einer seriell per Schablone aufgebrachten – weder rein organischen noch geometrischen – Basisform. Bildgrund und Malerei treten auf diese Weise zunehmend in einen gleichrangigen Dialog.“

Claude Viallat, Ohne Titel Nr. 63, 1996
Quelle: WikiArt, (c) FairUse

Zunächst folgt Claude Viallat dabei einem auf Druck basierenden Arbeitsprozess, der im Zusammenhang mit einer Kritik der geometrischen Abstraktion einhergeht. Bei diesen Drucken kommt die sogenannte All-Over Technik bzw. das All-Over Prinzip zu Einsatz. Mit All-Over wird eine flächendeckende Malerei oder Druckerei ohne dominante Punkte, ohne Hauptmotiv, ohne räumliche Wirkung und ohne Hinweis, wo oben oder unten ist, verstanden. Die Komposition lässt sich über den Rahmen bzw. Rand hinaus fortsetzen. Claude VIallat beginnt in dieser All-Over Technik auf Industrieplanen zu malen und zu drucken und bedeckt sie mit demselben endlos wiederholten, abstrakten oder geometrischen Formenraster.

„In der Folge entdeckte Claude Viallat alle nur erdenklichen Stoffe als Herausforderung für seine Malerei: Bettlaken, Tischdecken, Jutesäcke, Kleider, Vorhänge, Sonnenschirme etc. Dabei handelt es sich in aller Regel um gebrauchte, vom Künstler gefundene oder ihm geschenkte Stoffe, um Altkleider, Lumpen und Stofffetzen, die sichtlich und spürbar schon anderen, durchaus alltäglichen Zwecken dienten und Spuren dieser Zweckdienlichkeit tragen.“

Quelle der Zitate und jede Menge weiterer Informationen zum französischen Künstler auf den Webseiten der Galerie Kajetan in Berlin: Claude Viallat; einige seiner Werke auch bei WikiArt: Claude Viallat

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