Joseph Kosuth und die Kunst nach der Philosophie

Der Konzeptkünstler und Theoretiker Joseph Kosuth, dessen Leben und Wirken ich in den vergangenen Tagen hier vorgestellt habe, argumentiert 1969 in einem Essay mit dem Titel „Art After Philosophy – Kunst nach der Philosophie“, dass der traditionelle, kunsthistorische Diskurs am Ende sei. Stattdessen schlägt er eine radikale Untersuchung der Mittel vor, durch die Kunst ihre kulturelle Bedeutung und ihren Status als Kunst erlangt.

„Jetzt Künstler zu sein“, so Joseph Kosuth, „bedeutet, das Wesen der Kunst zu hinterfragen. Wenn man das Wesen der Malerei in Frage stellt, kann man das Wesen der Kunst nicht in Frage stellen. … Das liegt daran, dass das Wort „Kunst“ allgemein und das Wort „Malerei“ spezifisch ist. Malerei ist eine Art von Kunst. Wenn du Bilder machst, akzeptierst du (nicht hinterfragst) das Wesen der Kunst.“

In diesen ersten Jahren der Konzeptkunst – Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre – prägen die Arbeit von Joseph Kosuth den Wunsch, den tautologischen Charakter der Kunst deutlich zu machen. Als analytische Aussage setzt Kunst die Existenz einer ästhetischen Einheit voraus, die die Kriterien der „Kunst“ erfüllt. Dieses Kriterium könnte, wie Marcel Duchamp mit seinen Readymades bewies, lediglich in der Aussage „das ist ein Kunstwerk“ bestehen. Marcel Duchamp macht dies deutlich, in dem er ein Pissoir oder einen Flaschentrockner zu Kunst erklärt.

Joseph Kosuth nutzt u.a. den sprachlichen Ansatz, um die sozialen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Kontexte zu erforschen, durch die Kunst präsentiert und damit definiert wird. Um diesen diskursiven Aspekt der Kunst zu demonstrieren, benutzte er die Sprache selbst als sein Medium. Das Ergebnis ist eine streng konzeptuelle Kunst ohne jegliche besondere künstlerische Formen. Intellektuelle Provokation ersetzte die Wahrnehmung und Worte verdrängen Bilder und Objekte. Diese Verschiebung wird erstmals in Joseph Kosuth’s ‚First Investigations‘ (mit dem Untertitel Art as Idea as Idea – Kunst als Idee als Idee) deutlich. ‚First Investigations‘ ist einer Serie, die Fotoaufnahmen von Wörterbuchdefinitionen von Wörtern wie „Wasser“, „Bedeutung“, „Stuhl“, „Definition“ und „Idee“ enthält. Diese Fotografien sind Dokumentations- und Eigentumszertifikate beigefügt, aus denen hervorgeht, dass die Werke für Ausstellungszwecke angefertigt und neu hergestellt werden können. Diese Präsentationsstrategie stellt Joseph Kosuth’s Versuch dar, die Kostbarkeit des einzigartigen Kunstobjekts und seinen privilegierten Platz im Museum zu untergraben. Er versuchte zu zeigen, dass die „Kunst“-Komponente nicht im Objekt selbst, sondern in der Idee oder dem Konzept des Werks verortet ist.

Zusammen mit anderen Konzeptkünstlern seiner Zeit unternimmt Joseph Kosuth einen Angriff auf die konventionelle Ästhetik, der seine Nachfolger in der Konzeptkunst nachhaltig beeinflusst hat. Die Künstler der Konzeptkunst übernehme den dekonstruktiven Zugang zur Kunst. und machen die Idee zum Ausgangspunkt ihres Schaffens.

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