„Vom Löffel bis zur Stadt“

Max Bills Forderung, das Aufgabenspektrum eines modernen Gestalters umfangreich und universal mit „vom Löffel bis zur Stadt“ zu beschreiben, zeigt den Anspruch des Künstlers und eben Gestalters Max Bill. Er will klar machen, dass es Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten zwischen freier und angewandter Kunst gibt. „Produkt- und Grafikdesign, auch die Architektur waren für ihn die Fortsetzung der Kunst ins reale Leben hinein und sein Konzept der Konkreten Kunst Grundlage und Ausgangspunkt seiner weiteren Aktivitäten. Er sei davon überzeugt, ‚dass der freien Kunst das Primat zukommt innerhalb der Gestaltung, dass die fortschrittlichsten Maler und Bildhauer die autonomen Werke des zeitgenössischen Geistes schaffen. Diese sind Anregung und Maß für alle andern schöpferischen Gestaltungen‘, schrieb Bill, als er das Programm der Hochschule für Gestaltung Ulm1952 zum ersten Mal öffentlich vorstellte, das er maßgeblich mitentwickelt hatte. Zwar konnte man in Ulm Kunst gar nicht studieren, doch viele der Dozenten waren Künstler, und die Studenten absolvierten zuerst einen einjährigen Grundkurs mit Übungen in „zweckfreier Ästhetik“, in dem sie insbesondere die von der Konkreten Kunst entwickelten Gestaltungsprinzipien erlernten, die sie später in Design und Architektur anwenden sollten. Zur selben Zeit hatte Bill auch begonnen, einen Katalog von mustergültigen Gebrauchsgegenständen und Bauten zusammenzustellen, 1949 für die Wanderausstellung „Die gute Form“, danach für die 1952 erschienene Publikation „Form“.

die_gute_form_max_bil
„Die gute Form“, Katalog zu einer Wanderausstellung von Max Bill, 1949

Hier konfrontierte er Abbildungen von konkreten Plastiken mit aktuellen Automodellen, stellte mikroskopische Oberflächenaufnahmen und mathematische Modelle voran, um auf jene allgemeingültigen, elementaren Natur- und Formgesetze hinzuweisen, die auch den Entstehungsprozess der sich im Buch anschließenden Design- und Architekturentwürfe bestimmen. Die Attribute, die er ihnen in den Bildunterschriften gab, können genauso für die Konkrete Kunst gelten: rational, klar, sauber, einfach, harmonisch, vollkommen, schön, exakt, perfekt.“

Quelle: Zehentbauer, M., „Der konkreteste Konkrete? Max Bill“, in: Die Konkrete Idee – Konkrete Kunst als ideengeschichtliche Entwicklung, Hrsg.: Museum für Konkrete Kunst, Wienand Verlag , Köln, S. 48

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s