Die Russische Revolution und ihr künstlerisches Vermächtnis

Zum Abschluss meines kleinen Ausflugs zum Konstruktivismus und zur russischen Revolution in den vergangenen Wochen, hier noch ein Artikel über das künstlerische Vermächtnis der Revolution als eine Art Zusammenfassung:

„In den Jahren rund um die Revolution 1917 war die gesellschaftliche Atmosphäre von ungezügelter Experimentierfreude geprägt. Die Erneuerung der Kunst wurde auf die Spitze getrieben, die Stilrichtungen Suprematismus und Konstruktivismus entstanden und nahmen Fahrt auf. Ihre ästhetische Wirkung war in allen kreativen Bereichen zu spüren – von der bildenden Kunst über die Architektur bis hin zur Mode.

Im Sinne der Revolution zielten Russlands Kreative darauf ab, das Konzept von Kunst als exklusives Medium zu zerstören. Sie fokussierten sich darauf, ein breiteres Publikum für die Hochkultur zu erreichen und die Kunst zu demokratisieren. Künstler der Revolutionsära experimentierten mit Abstraktionen und führten dieses Konzept an seine Grenzen. Der Suprematismus, untrennbar verbunden mit Künstlern wie Kasimir Malewitsch, lehnte jegliche figurative Darstellung in der Kunst ab.

Der Suprematismus speiste sich aus dem Optimismus für eine utopische Zukunft. Künstler experimentierten mit Ideen, die sie für einen neuen sozialistischen Staat als nützlich erachteten. Der Konstruktivismus hatte hingegen einen praktischeren Nutzen und manifestierte sich in Plakaten, Skulpturen und der Architektur. Die wichtigsten Vertreter der Bewegung waren Alexander Rodtschenko und Ljubow Popowa.

Popowa vertrat die Ansicht, dass Kunst mehr als nur dekorativ sein sollte – sie sollte auch eine Funktion haben. Sie und Rodtschenko gingen der traditionellen Rolle der bildenden Kunst aus dem Weg und designten stattdessen Kostüme fürs Theater. …

Diese Ideen mündeten auch beim architektonischen Design in neue Arbeitsweisen. Zu den Grundsätzen der kommunistischen Bolschewiken zählte der Wunsch, die Gesellschaft weg vom Individuum hin zu einer breiteren Gruppe umzugestalten.

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Narkomfin-Haus in Moskau

Das beste Beispiel der konstruktivistischen Architektur-Experimente ist Moskaus Narkomfin-Kommunehaus. Es wurde von Moisei Ginzburg und Ignaty Milinis als Inbegriff sozialistischer Ideale entworfen und propagiert eine radikale Form des Gemeinschaftslebens: Der Komplex beinhaltet einen Kindergarten und eine Kantine, um Frauen von der Hausarbeit zu befreien und ihnen zu ermöglichen, sich an der Bildung einer neuen Gesellschaft zu beteiligen.

… „Es geht um eine kulturelle Botschaft, die sich außerhalb von Politik bewegt, und nicht darum, der Avantgarde etwas Politisches zuzuschreiben.“

Quelle: Julia Chapman, „Die Russische Revolution und ihr künstlerisches Vermächtnis“, Deutsche Welle Online, 07.11.2017, unter: http://p.dw.com/p/2n5ym, aufgerufen am 01.05.2018

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