Hildegard Joos und die Kunst des Schachbretts

Schon gestern habe ich über die österreichische Künstlerin geschrieben. Hier habe ich noch eine Artikel aus der Wiener Zeitung gefunden, der sie anlässlich ihres Todes im Jahre 2005 würdigt:

„Geboren wurde Hildegard Joos am 7. Mai 1909 in Sieghartskirchen (Niederösterreich), wo sie auch ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Erst in den Nachkriegsjahren nahm sie ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien auf, ihre ersten Arbeiten waren figürlich, farbig und expressiv. 1954 wurde die Künstlerin Mitglied der Wiener Sezession, die ihr, als erste Frau überhaupt, 1958 eine Einzelausstellung widmete. „Kunst ist ein nobles Spiel“, befand Joos. „Egal, ob man sich mit Geometrismen oder Farbflecken beschäftigt.“ Eines ihrer bevorzugten Muster war und ist das Schachbrett, denn „diese Einfachheit interessiert mich am meisten in der Kunst“.

Die Begegnung mit dem Genfer Philosophen und Kritiker Harold Joos, einem Bewunderer der abstrakten Kunst, der Geometrie und Mathematik, bezeichnete die Malerin als „die große Zäsur in meinem Leben“. Seit 1959 unterhielten sie gemeinsam ein Atelier in Paris. Ihre wesentliche Prägung erfuhr die Malerin auch im Pariser Konstruktivisten-Salon „Realites Nouvelles“, wo sie 1972 Aufnahme gefunden hatte.

Gemeinsam mit ihrem – übrigens erst kürzlich verstorbenen – Mann entwickelte sie die „Narrativen Geometrismen“, die Mal- und Farbenlust mit streng geometrischen Formen vereinen. Anfänglich signierte das Künstlerpaar seine Gemeinschaftsarbeiten mit „Hildegard Joos“, ab 1980 zeichnete das symbiotische Künstler-Duo mit „H+H Joos“ oder „Joos und Joos“. Ab 1992 wird das Paar für die genannten Raumnarrative berühmt: Das sind monochrome Flächen mit narrativen Bildelementen in jeweils einer der Bildecken.

In den letzten Jahren emanzipierte sich Hildegard Joos künstlerisch wieder zusehends von ihrem Mann und löste sich in ihren Arbeiten auch von der formalen Strenge. Schachbrett- und Rasterbilder blieben aber weiterhin wichtigster Bestandteil ihres künstlerischen Schaffens. Immer habe sie Fertiges übermalt und Mut zum Zerstören gehabt. Es sei ein „Vorteil des Alters, zu wissen, wann mit dem Perfektionismus Schluss sein muss“, sagte die Künstlerin einmal in einem Interview.“

Quelle: „Die Kunst des Schachbretts“, Wiener Zeitung Online, unter: https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/mehr_kultur/143199_Die-Kunst-des-Schachbretts.html, aufgerufen am 01.05.2018

Siehe auch:

Hildegard Joos – die Grand Dame des österreichischen abstrakten Konstruktivismus

 

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