Abstrakter Expressionismus – ein amerikanischer Traum

Jackson Pollock & Co. – die amerikanischen, abstrakten Expressionisten mit ihrer Einstellung, dass Gefühle, Emotionen und Spontanität viel wichtiger sind als Perfektionen, Strukturen und Reglementierungen. Eine Kunstrichtung, die einerseits von Konkreten Künstlern wie Josef Albers beeinflusst wird, andererseits im Ausdruck dann doch ziemlich das Gegenteil von Konkreter Kunst ist. Entstanden ist die Kunstbewegung des abstrakten Expressionismus in den USA gleich nach dem Zweiten Weltkrieg. „Radikal, mutig, frisch und dennoch tiefgründig kamen die Bilder der amerikanischen Maler daher, und das genau zur richtigen Zeit: Der US-amerikanische Kunstkritiker Clement Greenberg verkündete 1948, dass nicht nur die Schwerpunkte der politischen Macht und der industriellen Produktion, sondern auch das Zentrum der westlichen Kunst endlich von Europa in die USA verlagert würden.

So kam es gelegen, dass etwa Jackson Pollock die Indianerkunst als Inspirationsquelle nannte und für kulturelle Wurzeln sorgte, die unabhängig von Europa waren. Die abstrakten Farbflächen sollten plötzlich das spirituelle Erbe der ermordeten Indianer verkörpern. Darüber hinaus gaben viele Künstler an, sich von der Last der europäischen Geschichte befreien zu wollen. Die USA standen für Demokratie und Freiheit, nur hier seien die abstrakten Gemälde möglich: In ihren Bildern könne sich das Unterbewusstsein ungehemmt ausdrücken, anders als im faschistischen Europa oder in der kommunistischen Sowjetunion. Auch der europäischen Philosophiegeschichte und ihren Theorien über das Erhabene setzten sie etwas entgegen: Ihre getropften, gemalten oder monochrom gestrichenen Farbbilder in Übergröße waren ihre zeitgenössische Antwort auf das altakademisch Erhabene.

Die Künstler wurden als Abenteurer gefeiert, die sich wie Cowboys ihren Weg an die Spitze der Kunstwelt freischossen. Der abstrakte Expressionismus repräsentierte den amerikanischen Traum: Heldentum, Freiheit und Abenteuer.

Vermarktet wurde die kulturelle Überlegenheit durch Interviews, Homestorys in Lifestylemagazinen, überschwängliche, dramatisierende Artikel der Kunstkritiker und klug beworbene Wanderausstellungen.  …

Die amerikanischen Expressionisten selbst malten allerdings nicht aus politischer Motivation heraus. Wohl auch deshalb funktioniert der Blankoscheck heute noch: Inzwischen werden die Werke von den Auktionshäusern vor allem wegen ihres emotionalen Gehalts und ihrer sinnlichen, einzigartigen Farbwahrnehmung versteigert.“

Quelle: Larissa Kikol, „Amerikanischer Expressionismus – Cowboys mit Pinsel“, Die Zeit Online, 29.11.17, unter: http://www.zeit.de/2017/49/amerikanischer-expressionismus-politik-sammler, aufgerufen am 22.02.18

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