Julije Knifer, Mäander und Antibilder

Vorgestern habe ich Julije Knifer, dessen Mäander-Bilder und die gerade zu Ende gegangene Retrospektive im Museum der Wahrnehmung in Graz hier vorgestellt. Ebenfalls in Graz – in der Neuen Galerie – war bis in den Sommer diesen Jahres die Ausstellung ‚Julije Knifer – Kompromisslos‘ zu sehen. Auch diese Ausstellung setzte sich mit den Mäanderbildern des Kroaten auseinander und zeigte auch eine Fotoserie des größte seiner Mäander-Bilder – 20m x 30m -, welches 1975 in einem Steinbruch in Tübingen ausgestellt wurde:

Julije Knifer und sein Mäanderbild in Tübingen

„Mit der grundlegenden Intention der Schaffung eines „Antibildes“ durch den Prozess der extremen Reduktion von Formen und Inhalten strebte Knifer nach Ausdrucksmöglichkeiten des Absurden als einem Mittel, traditionelle Wertesysteme der Kunst und die ihnen entsprechenden Normvorstellungen der Nachkriegsgesellschaft teils provozierend zu hinterfragen. Diese Intention war ganz im Sinn des lose zusammengeschlossenen Künstlerkollektivs der Gorgona-Gruppe (1959‒1966), welche von ihm mitbegründet wurde. Damit sind Knifer und Gorgona vergleichbar mit Zeitgenossen wie beispielsweise den Vertreter*innen der Fluxus-Bewegung oder den Protagonisten des Wiener Aktionismus der 1960er-Jahre. Wie diese und viele andere Künstler*innen der Nachkriegsavantgarde und Intellektuelle sah Knifer nach den Ereignissen des Weltkriegs die Kunst an einem Wendepunkt angelangt, der eine kritiklose Weiterführung traditioneller Richtungen unmöglich machte. Die Idee des „Antibildes“ ist nicht zuletzt diesem Umstand geschuldet. Die Überlegung, Bilder „ohne  Identität“ zu schaffen, oder ‒ einer anderen Aussage Knifers gemäß  ‒mit seiner Kunst das „vollständige Verschwinden des Bildes“ anzustreben, lässt sich auch im allgemeinen Kontext zeitgemäßer Überlegungen der kritischen Auseinandersetzung mit dem Medium Malerei verstehen. Für Knifer bedeutete das Element der Wiederholung in der Arbeit an den „Mäander“-Bildern, die sich teils über Monate erstreckte und auch starke meditative Aspekte einschloss, auch eine „ganz bestimmte Form der Freiheit (…), mein gesamter Arbeitsprozess ist eigentlich ein Strom ohne Schwingungen und mit dem Ziel, Monotonie zu erreichen, die der einfachste und ausgeprägteste Rhythmus ist“.

Quelle: Einführung in die Ausstellung Julije Knifer – Kompromisslos in der Neuen Galerie Graz, online-unter: https://www.museum-joanneum.at/neue-galerie-graz/, aufgerufen am 28.09.2021.

Eine ausführliche Einführung in das Leben und Wirken des Künstlers findet sich in der artmagazine online Kunstzeitung: Julije Knifer

2 Gedanken zu “Julije Knifer, Mäander und Antibilder

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