Anton Stankowski und der Konstruktivismus

„Stankowskis Affinität zu den unterschiedlichen konstruktivistischen Schulen, Suprematismus, Bauhaus und De Stijl, ist in seinen frühen Arbeiten offenkundig. Er bedient sich in aller Offenheit ihrer ästhetischen Ausdrucksmittel und bildkompositorischen Gesetzmäßigkeiten. Das, dem Konstruktivismus entstammende Mittel der Reduktion auf das Wesentliche, hat Stankowski in seine Arbeit aufgenommen. In seinen Bildern und grafischen Entwürfen wimmelt es von Quadraten (Kasimir Malewitsch), Schrägen (Theo van Doesburg) und Progressionen aller Art (Laszlo Moholy-Nagy). Es gibt von Stankowski ein Ölbild das aussieht, als hätte es Piet Mondrian gemalt: Es heißt „Wie Mondrian“.

Für die konstruktivistischen Schulen stand der Gedanke radikaler künstlerischer Umgestaltung des Alltags an zentraler Stelle. 1920 erhob El Lissitzky mit einem Ölbild die Forderung: „Schlagt die Weißen mit dem roten Keil!“. Zu sehen ist ein roter Keil der auf einen weißen Kreis gerichtet ist. Die finale Konstellation des Klassenkampfes stellt sich hier als Konstellation von Grundformen und -farben dar.

El Lissitzky, „Schlagt die Weißen mit dem roten Keil“,1920
(c) gemeinfrei

Die Kunst erhob hier den Anspruch, in den Verlauf der Geschichte einzugreifen, indem sie dieser mit der Revolution ihr Ende diktieren wollte…

Stankowskis Version des Konstruktivismus hat mit El Lissitzkys Anspruch nichts zu tun. Gleichwohl sind einige zentrale Gemeinsamkeiten nicht zu übersehen. Der entscheidende Unterschied ist dabei Stankowskis Wendung konstruktivistischer Mittel. El Lissitzky diente die reduzierte Formensprache der Darstellung wesentlicher Elemente und Strukturen. Der Kommunismus als roter Keil ist ein solches wesentliches Element. Stankowskis Konstruktivismus hingegen war semantischer Art, sein Interesse galt von Anfang an der zur Organisation der bestehenden Gesellschaft notwendigen Kommunikation. Wie Kasimir Malewitsch reduzierte er zunächst alle Formensprache auf ihre geometrischen Grundelemente wie etwa Quadrat oder Linie. Aus ihnen heraus entwickelte er dann aber seine bekannten Signets, die über den Charakter ihrer Firmen oder Produkte Auskunft geben. Der Unterschied zwischen diesen Signets und seinen Arbeiten in Öl ist schmal. Bei der Vereinigung von Kunst und Alltag ist er ganz ohne Revolution ausgekommen.“

Quelle: Radek Krolczyk, Anton Stankowski und der Konstruktivismus, Extrablat-Online, unter: http://www.extrablatt-online.net/archiv/ausgabe-1/radek-krolczyk-anton-stankowski-und-der-konstruktivismus.html, aufgerufen am 26.10.2018

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