Max Bill – das Dreieck, das rund wird

Vorgestern habe ich über die Pioniere der Konkreten Kunst in der Schweiz geschrieben. Max Bill ist einer davon!

Ein über vierzig Jahre alter Artikel aus der „Zeit“ über Max Bills Liebe zur Geometrie und dem künstlerischen Sinn und Nutzen mathematischer Operationen in Kunstwerken:

„‘Obschon es möglich ist, unsere Werke zu lieben ohne sie verstanden zu haben, ist es kaum möglich, sie voll zu genießen, ohne die bei ihrer Entstehung angewandten Methoden wenigstens zu ahnen.“

Das hat Max Bill [1926] geschrieben, als er in Paris seine ‚fünfzehn Variationen über ein Thema‘ veröffentlichte. Es war die erste Publikation einer systematischen Reihe mit einem die Methode erklärenden Begleittext …Worum geht es in der ersten Variationsreihe? Das Thema wird im Text so prägnant wie in einem Lehrbuch der Mathematik beschrieben. Es ‚zeigt eine kontinuierliche Entwicklung, welche von einem gleichseitigen Dreieck in ein gleichseitig-gleichwinkliges Achteck überführt, das heißt, jene Seite des Dreiecks, welche die Fläche schließen würde, fällt weg. Sie wird durch eine Seite des Vierecks (Quadrat) aufgenommen, wodurch die Dreieckfläche geöffnet und nur angedeutet bleibt, so sind sämtliche Übergänge der Vielecke zueinander durchgeführt, woraus sich ein spiralähnlicher Ablauf ergibt…‘

max_bill_varaitionen

Variationen nach Max Bill

Und nun werden in den folgenden Blättern fünfzehn Variationen vorgeführt, die dem Thema formal und mit der Farbe eine geradezu unglaubliche, aber keineswegs voraussehbare Fülle ganz verschiedener Lösungen abgewinnen. …

Jede dieser Variationen wird vom Autor ausführlich erläutert; der Betrachter, wenn er sich Mühe gibt, kann den Schritt von der einen zur andern nachvollziehen. Es ist erfreulich; es verschafft ihm ein Gefühl der Befriedigung, wenn er das, was auf der Bildfläche geschieht, einsehen kann.

Aber die Frage nach dem künstlerischen Sinn und Nutzen mathematischer Operationen ist damit nicht entschieden, obgleich Max Bill sich in zahlreichen Texten um eine Theorie der „mathematischen Denkweise in der Kunst“ bemüht hat. Deren Ergebnisse sind, wenn man auf der aktuellen konstruktivistischen Kunstszene Umschau hält, oft genug von einer deprimierenden Dürftigkeit.“

Quelle: Gottfried Sello: „Das Dreieck, das rund wird“, Zeit-Online 12. März 1976, aktualisiert am 21. November 2012, unter: http://www.zeit.de/1976/12/das-dreieck-das-rund-wird

3 Gedanken zu “Max Bill – das Dreieck, das rund wird

  1. Beim Betrachten dieses Bildes stelle ich fest, dass das Dreieck die kleinste geometrische Einheit ist, aus der alles andere entsteht. Möglicherweise hat das Bild damit einen Zweck erfüllt, nämlich, sich dessen bewusst zu werden, dass alles komplexe aus einfachen Formen entsteht, man denke nur an die Fraktale an die Mandelbrot-Menge, die scheint mir hier vorweg genommen zu sein.

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      • Hallo Lars!
        Die Mandelbrot-Menge hat mich immer schon fasziniert. Guter Artikel, danke für den Link. Interessant auch, dass Mandelbrot just zu der Zeit als die Finanzkrise ausgebrochen ist, ein Buch veröffentlicht hat, in dem es um den Zusammenhang von Fraktalen und Finanzmärkten geht. Wer weiß, vielleicht hat er ja etwas gefunden, um solche Ereignisse zu verhindern oder vorherzusehen. Auch der Blumenkohl ist etwas Fraktales, die englische Küste…. schon beachtlich, wohin ein Bild unsere Gedanken führen kann.
        Schade, dass es ihn nicht mehr gibt.
        Liebe Grüße, Christian

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