Als letzten Künstler in meiner Reihe zeitgenössischer Positionen des Konstruktivismus’ will ich Manfred Mohr erwähnen. Ich habe ihn zuletzt – bei meiner kurzen Geschichte der Konkreten Kunst im 20. Jahrhundert – als Pionier der digitalen Kunst gewürdigt: er ist einer der Künstler, der den Konstruktivismus ins 21. Jahrhundert überführt hat.
1938 in Pforzheim geboren, beginnt er in den sechziger Jahren mit Malerei und experimenteller Zeichnung. Schnell entwickelt er jedoch ein Interesse an Systemen, Strukturen und Algorithmen – der logische nächste Schritt für jemanden, der die Reduktion und Ordnung des Konstruktivismus konsequent weiterdenkt.
Manfred Mohrs Kunst entsteht vor allem am Computer. Seine Programme generieren geometrische Kompositionen, die sich nach mathematischen Regeln entwickeln. Linien, Rechtecke, und vor allem Würfel sowie andere geometrische Formen werden algorithmisch arrangiert, verschoben und transformiert. Dabei bleiben die Prinzipien des Konstruktivismus unverkennbar: Strenge, Klarheit und Reduktion sind Leitlinien, die sich durch jede Arbeit ziehen.
Ein zentrales Motiv bei Manfred Mohr ist die Variation innerhalb eines Systems. Aus einfachen Ausgangsparametern entstehen unendliche Varianten – eine moderne Form der seriellen Komposition, die schon im klassischen Konstruktivismus eine Rolle spielt. Doch bei Manfred Mohr wird die Variation durch den Computer präzise gesteuert, wodurch die Werke eine radikale Mischung aus Ordnung und Zufall, Struktur und Freiheit zeigen.
Manfred Mohrs Arbeiten sind nicht nur visuell, sondern auch konzeptionell revolutionär. Sie fordern die Betrachterinnen und Betrachter heraus, die Dynamik von Systemen zu verstehen. Die geometrischen Formen sind keine Abbildungen der Realität, sondern Manifestationen mathematischer Logik, die durch digitale Technologie sichtbar gemacht werden. So wird der Konstruktivismus erweitert: von der Malerei in den Raum des Codes, von der Fläche in den Algorithmus.
Parallel zu seinen digitalen Arbeiten entwickelt Manfred Mohr auch interaktive Installationen, bei denen Betrachtende Teil des Systems werden. Programme reagieren auf Eingaben, verändern Formen und Kompositionen in Echtzeit – eine direkte Übersetzung konstruktiver Prinzipien in Bewegung und Raum. Hier verschmelzen Mathematik, Technik und Kunst zu einer neuen ästhetischen Erfahrung.
International wird Manfred Mohr als Vorreiter der digitalen Kunst gefeiert. Seine Werke werden weltweit ausgestellt. Er überträgt konsequent die Tradition des Konstruktivismus in die digitale Ära und eröffnet dabei immer neue Perspektiven auf Struktur, Ordnung und Variation – er zeigt eindrucksvoll, dass konstruktivistische Prinzipien kein starres Erbe sind, sondern sich weiterentwickeln lassen. Mit Algorithmen, Computercode und digitalen Systemen macht er sichtbar, dass der Geist konstruktiver Ordnung auch in der Gegenwart eine lebendige, innovative Kraft ist.
Weitere spannende Videos und mehr Informationen zum Künstler finden sich in dessen YouTube Kanal Manfred Mohr und im Webauftritt des Künstlers: Manfred Mohr
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