Geometrische Formen, gegenstandlose Ornamente und Konkrete Kunst

Nochmal zum Ornament und der Ornamentik: Ornamente sind mehr als nur schmückendes Beiwerk. Sie bilden eine eigenständige Gattung der Bildkunst mit einer langen Tradition und vielfältigen Ausdrucksformen. Ihre Bedeutung reicht von der dekorativen Funktion bis zur ästhetischen Abstraktion und spiegelt den jeweiligen Zeitgeist wider.

Jugendstilornament,
(c) gemeinfrei

Innerhalb der Ornamentik nimmt die geometrische Form eine besondere Stellung ein. Durch die Konstruktion mit Zirkel und Lineal verzichtet sie auf naturalistische Darstellungen und fokussiert sich auf die reine Harmonie von geometrischen Elementen wie Linien, Kreisen und Quadraten. Diese Gegenstandslosigkeit verleiht dem Ornament eine besondere Eleganz und Zeitlosigkeit, die es von figürlichen Darstellungen abhebt. Die gegenstandlose Ornamentik mit geometrischen Formen und die Konkrete Kunst gehören also zusammen.

Die Wissenschaft erklärt die Faszination des Menschen an einfachen geometrischen Formen mit der Suche des Gehirns nach Ordnung und Harmonie in der oft chaotischen Bilderwelt. Ornamente bieten diese Ordnung, indem sie komplexe Muster aus einfachen Elementen schaffen und somit eine ästhetische Reizwirkung erzeugen.

Lange Zeit gilt die Symmetrie als das zentrale Gestaltungsprinzip in der Ornamentik. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch löst sich die Ornamentik zunehmend von diesem strengen Regelwerk. Asymmetrische Kompositionen werden zum Ausdruck eines neuen, freieren Gestaltungswillens und spiegelten den innovativen Geist der Moderne wider.

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts erleben Ornamente eine Renaissance. Künstler und Designer experimentieren mit neuen Techniken und Materialien und interpretieren traditionelle Formen auf zeitgenössische Weise. Und spätestens mit Piet Mondrian werden Ornamente nicht länger nur als Dekoration angesehen, sondern werden zum integralen Bestandteil des künstlerischen Ausdrucks und der ästhetischen Konzeption. Die Auseinandersetzung mit Ornamenten ist wichtiger Bestandteil der Arbeit der De Stijl Künstlerinnen und Künstler.

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Eine Antwort zu „Geometrische Formen, gegenstandlose Ornamente und Konkrete Kunst“

  1. Avatar von Rene Martini

    Ich hatte einen sehr bekannten und engagierten Professor für Ornamentik. Trotzdem waren wir uns einig, dass die Aussage von Adolf Loos vom « Ornament als Verbrechen » an einem preisgekrötem Neubau in München durchaus Berechtigung hat!

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