Das Kunstmuseum Stuttgart widmet einem der bekanntesten Stuttgart Künstler eine Einzelausstellung: Otto Herbert Hajek. Er zählt zu den bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Seine Kunst prägt bis heute das Stuttgarter Stadtbild: Über 50 plastische Werke und »Kunst am Bau«-Projekte hat der Künstler in Stuttgart realisiert, in der er von 1947 bis zu seinem Tod lebt.

Das Verhältnis von Kunst und gebauter Umwelt wird zu seinem bestimmenden Thema, das er in zahlreichen Aufträgen für Platz- und Architekturgestaltungen weltweit umsetzt – etwa im australischen Adelaide und in Montevideo, Uruguay und eben immer wieder auch in Stuttgart. Seine Plastiken im Außenraum versteht Otto Hajek als »Zeichen«, die unbestimmten Stadtraum zu einem Erlebnis- und Erfahrungsort für den urbanen Menschen werden lassen.
Mit Kunst den öffentlichen Raum zu durchdringen, um dessen Aufenthaltsqualität zu steigern und Gemeinschaft zu stiften, bleibt zeitlebens ein zentrales Anliegen seines künstlerischen Schaffens. Es würde jedoch zu kurz greifen, Otto Hajeks Kunst auf diese gesellschaftspolitische und soziokulturelle Dimension einzuengen. In den knapp fünf Jahrzehnten seines künstlerischen Schaffens entsteht ein multimediales Gesamtwerk, das sich in seiner Vielfalt der Zuordnung zu einer Kunstrichtung entzieht.
Die Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart, die bis zum Oktober nächsten Jahres zu sehen ist, zeichnet anhand von 60 Werken die künstlerische Entwicklung des Bildhauers chronologisch nach. In der direkten Gegenüberstellung von Plastik, Malerei und Grafik wird der Variantenreichtum des geometrisch-konstruktiven Formenkanons erkennbar, den sich Otto Hajek über die Jahre erarbeitet und in unterschiedlichen Medien erprobt hat. Seine figurativ-gegenständlichen Bronzen, Reliefs und Linolschnitte zu Beginn seiner Karriere zeigen religiös motivierte Sujets und lehnen sich stilistisch an den deutschen Expressionismus an. Parallel entstehen bereits Arbeiten, die durchdrungen sind von den Abstraktionstendenzen der Moderne. Ab Mitte der fünfziger Jahre wendet sich Otto Hajek dem Informel zu: Charakteristisch für die filigranen Bronzen der Werkgruppen der Raumknoten und Raumschichtungen ist das Zusammenspiel gitterartiger Strukturen und organischer Formen.
Erstmals präsentiert 1964 auf der documenta III, sind die Farbwege ein prägender Meilenstein für das gesamte Œuvre Hajeks. Bei diesen frühen Beispielen eines Environments verbindet Hajek plastische Objekte mit Farbstreifen, die sich über Boden und Wände ziehen, sodass eine räumliche Struktur entsteht. Die Grenzen zwischen Kunstwerk und Betrachtenden, Kunstobjekt und Umraum werden damit aufgebrochen.
Ab den siebziger Jahren wendet sich Otto Hajek vermehrt der Malerei zu. Bei der Gestaltung seiner Gemälde greift er auf das feste Repertoire geometrischer Formen zurück, das auch seine bildhauerische Arbeit prägt – sie wirken deshalb wie zweidimensionale Plastiken. Bevorzugt in den Farben Rot, Gelb, Blau und Gold gehalten, weisen die Gemälde mit ihren gestischen Spuren in den sonst gleichmäßigen Farbräumen auf die informellen Arbeiten der frühen Jahre zurück, Diagonalen im Bild schließen wiederum an die Farbwege an.
Quelle dieser Einführung und alle Inforationen zur Ausstellung: Otto Herbert Hajek | Kunstmuseum Stuttgart.
Viel Spaß in Stuttgart!
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