Vor einigen Wochen habe ich über die derzeit laufende Ausstellung zur Geschichte von Plastik in der bildenden Kunst in der SCHIRN Kunsthalle in Frankfurt geschrieben (Plastik in Frankfurt). Auch das Archiv der Hochschule für Gestaltung in Ulm widmet dem Kunststoff derzeit eine Ausstellung. Noch bis zum 7. Januar kommenden Jahres ist die Ausstellung, die den Titel ‚Kunststoff − Zauberstoff: Freiheit und Grenzen der Gestaltung‘ trägt, zu sehen.

Wie kein anderer Werkstoff stehen Kunststoffe für die Demokratisierung in der Welt der Dinge. Sie eignen sich als Ersatz für traditionelle Materialien, sind billiges Ausgangsmaterial für massenhaft hergestellte Pfennigprodukte, unverzichtbar in der Medizintechnik oder Automobilindustrie. Sie können zu beliebigen Formen gegossen, gezogen, aufgeblasen werden und jede denkbare Farbe erhalten. Spätestens seit den 1970er Jahren traten sie im Konsumgüterbereich ihren Siegeszug an.
Die Entstehungsgeschichte der modernen Kunststoffe ist eng mit der Entwicklung der Wissenschaften im 19. Jahrhundert und der Industrialisierung in Europa verbunden. Die Chemie entfernte sich von den alchemistischen Überlegungen der Einheit von Mensch und Substanz und der Chance ihrer gemeinsamen Entwicklung, wie sie etwa in der Vorstellung vom Stein der Weisen zum Ausdruck kam. Die Natur wurde zum Materiallager, das beliebig ausgebeutet werden konnte.
An der Hochschule für Gestaltung in Ulm waren die Werkstätten zentrale Orte des Experimentierens und der Umsetzung neuer Designentwürfe. In der Gips-, Holz- oder Metallwerkstatt entstanden erste Entwürfe und Modelle. Eine Kunststoffwerkstatt war zwar angedacht, wurde aber erst im Sommer 1959 eingerichtet. Von den Quadratmetern her der kleinste Raum, nutzten die Angehörigen der Abteilungen Produktgestaltung und Bauen sie besonders intensiv: Das neue Material eignete sich für den Modellbau und war zugleich eine Verheißung für die Gestaltung zukünftiger Industrieprodukte.
Die Ausstellung wirft die Frage auf nach Chancen und Grenzen einer fast totalen gestalterischen Freiheit, wie sie uns die modernen Kunststoffe gegeben haben, und thematisiert dabei die Verantwortung von Gestaltern, Wissenschaftlern wie Verbrauchern angesichts dieser scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten.
Quelle dieser Einführung und alle weiteren Informationen zur Ausstellung: Kunststoff-Zauberstoff
Viel Spaß in Ulm!
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