Die Pioniere der generativen Kunst

Weiter mit der generativen Kunst: Wenn heute von generativer Kunst die Rede ist, werden drei Künstlerinnen und Künstler immer wieder genannt, die maßgeblich den Weg für diesen Kunststil geebnet haben: Sol LeWitt, Manfred Mohr und Vera Molnár. Alle drei waren schon oft Thema meines Blogs. (unten finden sich einige Verweise)

Obwohl die drei Kunstschaffenden aus unterschiedlichen Kontexten stammen und mit unterschiedlichen Medien arbeiten, verbindet sie eine gemeinsame Haltung. Sie verstehen Kunst nicht als spontanen Ausdruck, sondern als konsequent durchdachtes System aus Regeln, Strukturen und Prozessen. Sie verschieben den Fokus vom fertigen Objekt hin zum konzeptuellen und prozesshaften Ursprung des Werks und prägen damit entscheidend die Grundlagen der generativen Kunst.

Vera Molnar, Losange sur fond noir, 2011
(c) Laure JaumouilléLosangesCC BY-SA 3.0

Sol LeWitt formuliert diesen Ansatz besonders radikal. In seinen Wall Drawings definiert er präzise Anweisungen, nach denen ein Werk ausgeführt wird. Die tatsächliche Umsetzung kann von anderen erfolgen, ohne dass sich der Status des Kunstwerks verändert. Entscheidend ist allein die Idee, die als „Maschine“ fungiert, aus der Kunst hervorgeht. Sol LeWitt löst damit die Autorschaft vom handwerklichen Akt und etabliert ein Kunstverständnis, das Offenheit, Wiederholbarkeit und Regelhaftigkeit bewusst einschließt. Auch ohne digitale Mittel arbeitet er generativ, indem ein einziges Konzept zahlreiche mögliche Realisierungen zulässt.

Manfred Mohr verfolgt diesen Gedanken konsequent im digitalen Raum. Seit den siebziger Jahren arbeitet er ausschließlich mit Computern und Algorithmen. Ausgangspunkt seiner Kunst sind mathematische Strukturen, insbesondere der Hyperwürfel, den er systematisch zerlegt und transformiert. Manfred Mohr verzichtet vollständig auf subjektive Entscheidungen und überlässt die Form dem Code. Der Algorithmus ist nicht Werkzeug, sondern formbestimmendes Prinzip. Seine Arbeiten zeigen eine radikale Reduktion, in der Logik, Berechnung und Raum im Mittelpunkt stehen.

Vera Molnár verbindet Regelhaftigkeit mit Sensibilität. Bereits vor dem Einsatz von Computern entwickelt sie regelbasierte Zeichnungen und später sogenannte maschinelle Imaginationen. Charakteristisch für ihr Werk ist der kontrollierte Zufall: minimale Abweichungen, bewusste Störungen und kleine Fehler bringen starre Systeme in Bewegung. So entstehen Arbeiten, die zugleich streng und poetisch wirken. Vera Molnár zeigt, dass algorithmisches Denken nicht kalt oder mechanisch sein muss, sondern Raum für Überraschung und Menschlichkeit lässt. Gemeinsam begründen LeWitt, Mohr und Molnár eine Kunst, die auf Planung, Systematik und Prozesshaftigkeit setzt. Ihr Werk bildet die Grundlage für viele zeitgenössische Formen generativer und digitaler Kunst. In einer Gegenwart, die zunehmend von Algorithmen geprägt ist, erweist sich ihr Denken als hochaktuell: Sie zeigen früh, wie Regeln nicht nur einschränken, sondern kreative Freiheit ermöglichen.

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