Ein weiterer Künstler in meiner Reihe von zeitgenössischen Vertreterinnen und Vertreter des Konstruktivismus ist Dieter Hacker. Er gehört zu den Künstlern, die den Konstruktivismus nicht als reines Formspiel verstehen, sondern als kritisches Werkzeug. In den sechzigerJahren beginnt der 1942 in Berlin geborene Künstler zunächst mit analytischen und kinetischen Arbeiten, die von der Künstlerbewegung „Neue Tendenzen“ geprägt sind. Seit den siebziger Jahren bewegt er sich dann mit seinen Arbeiten mehr an den Schnittstellen zwischen Malerei, Installation und gesellschaftlicher Reflexion. Seine Arbeiten machen deutlich, dass Ordnung in der Kunst nie neutral ist – sie ist immer auch ein Kommentar zur Welt, in der wir leben.
Bekannt wird Dieter Hacker zunächst als Vertreter einer jungen Künstlergeneration, die gegen die Kommerzialisierung des Kunstbetriebs auftritt. Mit Ausstellungen in alternativen Räumen und einer klaren politischen Haltung stellt er sich bewusst gegen die vermeintlichen Regeln des Kunstmarktes. Seine selbstgestalteten Ausstellungen thematisierten beispielsweise die gesellschaftliche Relevanz von Kunst, die Rolle des Fotos im Alltagsleben, den Kunstmarkt oder die Utopien des Konstruktivismus.
Seine Malerei arbeitet mit geometrischen Flächen, klaren Linien und seriellen Strukturen. Es entstehen Raster und Farbkombinationen, die an die Tradition der konkreten Kunst anschließen. Doch Dieter Hacker interessiert nicht allein die formale Schönheit. Ihm geht es um die Frage, wie Systeme wirken – in der Kunst, in der Gesellschaft, im Denken. Seine Ordnung ist nie nur ästhetisch, sondern immer auch eine Metapher.
Oft entstehen Arbeiten, die an Diagramme erinnern, an Pläne oder an visuelle Modelle. Damit verschiebt er die Perspektive: Das Bild ist nicht nur ein Kunstwerk, sondern ein Modell für soziale Strukturen. Linien werden zu Machtachsen, Raster zu Symbolen von Kontrolle, Flächen zu Feldern der Auseinandersetzung. In dieser Verbindung von Form und Bedeutung zeigt sich Dieter Hackers konstruktivistische Haltung als gesellschaftskritisches Statement. Auch seine Ausstellungsprojekte greifen dieses Denken auf. Räume werden so gestaltet, dass die Besucherinnen und Besucher sich in ein System aus Farben, Formen und Strukturen hineinbewegen. Es entsteht ein Bewusstsein dafür, dass jede Ordnung zugleich eine Einschränkung ist – und dass Klarheit auch Kontrolle bedeuten kann.
Damit erweitert Dieter Hacker den Konstruktivismus in eine Richtung, die weniger utopisch, dafür aber umso realistischer ist. Wo die historischen Avantgarden eine neue Gesellschaft erträumen, zeigt er die Mechanismen der bestehenden. Seine Kunst wird zum Spiegel, aber auch zum Gegenentwurf: Sie deckt auf, wie Systeme funktionieren, und lädt dazu ein, sie zu hinterfragen.
Dieter Hacker beweist, dass konkrete Kunst mehr sein kann als reine Form. Sie wird bei ihm zum Instrument, das Strukturen sichtbar macht und Kritik formuliert. Sein Werk erinnert daran, dass jede Ordnung eine Haltung zur Welt ist – und dass es Aufgabe der Kunst bleibt, diese Haltung zu reflektieren und infrage zu stellen.
Ein wenig mehr zum Künstler im Webauftritt der Galerie Michael Sturm: Dieter Hacker und in einer Vorstellung einer Ausstellung seiner Werke im ZKM Karlsruhe im Jahre 2018: Dieter Hacker – alle Macht den Amateuren
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