Axel Sander: zwischen Abstraktion und Gegenstandslosigkeit

Axel Sander gehört zu den Künstlern, die dem Konstruktivismus in Deutschland seit den achtziger Jahren eine neue Richtung geben. Geboren 1951 in Hamburg und lange Zeit in Berlin aktiv, bewegt er sich konsequent in der Tradition geometrischer Abstraktion – und zeigt zugleich, wie offen und experimentell diese Formensprache bis heute bleibt.

Axel Sander, KunstkritikGemälde „Arminius“CC BY-SA 4.0

Axel Sanders Malerei ist klar, aber nie eindimensional. Auf den ersten Blick wirken seine Arbeiten wie streng konstruierte Flächenbilder. Rechtecke, Quadrate und Farbfelder dominieren die Komposition. Doch wer länger hinsieht, bemerkt, dass hier eine besondere Spannung entsteht: Wo beginnt die reine Abstraktion, wo kippt sie in eine gegenständliche Anmutung? Genau in diesem Übergang verankert Axel Sander seine künstlerische Haltung. Seine Aquarelle spielen dabei eine zentrale Rolle. Anders als bei der Ölmalerei ist Korrektur kaum möglich – jede Linie, jeder Farbauftrag bleibt sichtbar. Das macht die Bilder direkt, spontan und zugleich fragil. Er untersucht, wie Farbe und Form in den Köpfen der Betrachtenden wirken, wie unsere Wahrnehmung aus geometrischen Flächen plötzlich Dinge, Räume oder Figuren herausliest. Und auch hier bleibt die zentrale Frage dieselbe: Wann hören wir auf, nur eine Fläche zu sehen – und beginnen, eine Bedeutung hineinzuinterpretieren? In diesem Spannungsfeld bewegt sich seine Kunst, und darin liegt ihre Faszination.

Interessant ist zudem, wie Axel Sander Farbe einsetzt. Er bleibt oft bei kräftigen, reinen Tönen, die klar voneinander abgegrenzt sind. Doch die Kombinationen erzeugen Effekte, die nicht nur optisch, sondern auch atmosphärisch wirken. Blau neben Rot, Gelb neben Schwarz – es entsteht ein Vibrieren, ein Flirren, das die Flächen lebendig werden lässt. Auch dies zeigt, dass konstruktivistische Strenge nicht kühl wirken muss, sondern eine eigene emotionale Qualität entfalten kann.

Axel Sander macht mit seinen Arbeiten deutlich, dass Konstruktivismus kein starres Regelwerk ist, sondern eine offene Forschungsreise. Geometrie bleibt hier nicht bloß Form, sondern wird zu einer Sprache, die Wahrnehmung herausfordert und immer neue Deutungen zulässt. Seine Position zeigt, dass konkrete Kunst heute ebenso klar wie spielerisch sein kann – streng in der Form, aber frei im Denken. So steht Axel Sander exemplarisch für eine konstruktivistische Haltung, die nicht nur auf starre Ordnung setzt, sondern auch auf die produktive Mehrdeutigkeit fördert.

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