Konkrete Kunst in den 30er und 40er Jahren I

In den dreißiger und vierziger Jahren entwickelt sich die Konkrete Kunst zunehmend als eine eigenständige Bewegung innerhalb der avantgardistischen Kunst. Wie vorgestern bereits erläutert, prägen Künstlerinnen und Künstler die Bewegung, die sich von subjektiven Ausdrucksformen und figurativen Darstellungen lösen. Stattdessen setzen sie auf geometrische Strukturen, mathematische Prinzipien und eine systematische Komposition. Diese Bewegung wurde vor allem von europäischen Künstlern getragen. Sie arbeiten trotz der politischen Spannungen und des aufkommenden Zweiten Weltkriegs weiter an der Idee einer „reinen“ Kunst.

Die Bewegung in den frühen dreißiger Jahre ist wesentlich von Theo van Doesburg und De Stijl geprägt. De Stijl ist zunächst einmal Theo van Doesburg! Ohne den Gründer und wesentlichen Motor wäre De Stijl vielleicht nur eine Randbemerkung europäischer Kunstgeschichte geworden. Theo van Doesburg ist der Botschafter der Gruppe in ganz Europa. Er ist Vordenker und Ideengeber für eine ganze Generation von Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit De Stijl identifizieren.

Bart van der Leck, Komposition, Esther Westerveld, Schilderij van der LechCC BY 2.0

Theo van Doesburg gründet die Zeitschrift „Art Concret“. Diese verwendet den Begriff „Konkrete Kunst“ erstmals explizit. In seinem Manifest formuliert van Doesburg die Grundsätze dieser Kunstform. Sie soll frei von naturalistischen und symbolischen Bezügen sein. Die Kunst soll sich allein auf die visuellen Elemente Farbe, Linie und Fläche konzentrieren. Theo van Doesburg stirbt allerdings 1931 mit 47 Jahren. Nach seinem Tod löst sich De Stijl nach und nach auf.

Fortan verlagert sich der Schwerpunkt der Bewegung von den Niederlanden in die Schweiz. Dort arbeitet Max Bill, ein Schweizer Künstler, Architekt und Designer. Er entwickelt als Schüler von Bauhaus-Meister Josef Albers die Prinzipien der Konkreten Kunst weiter. Max Bill wird zuerst Mitglied der Künstlergruppe Abstraction-Création in Paris, einem Sammelbecken für ungegenständlich arbeitende Künstler. Ab 1937 ist er bei der Schweizer Künstlervereinigung Allianz tätig. Dort kommen unter anderem jene Maler zusammen, die man später „Zürcher Konkrete“ nennt. Die Zürcher Konkreten betonten in ihren Werken die enge Verbindung zwischen Kunst und Wissenschaft und schaffen meist klar strukturierte Werke, die auf mathematischen Berechnungen basierten.

Ebenfalls in der Schweiz ist Richard Paul Lohse aktiv. Auch er Mitglied der Zürcher Konkreten. Er ist ein Vertreter einer noch systematischeren Konkreten Kunst, die strenge Rasterstrukturen und serielle Kompositionen nutzt. In den vierziger Jahren entwickelt er Farb- und Formsysteme, die auf objektiven Regeln beruhten. Diese sollen den Zufall in der Kunst weitgehend ausschließen.

In Frankreich trägt in dieser Zeit Auguste Herbin zur Etablierung der Konkreten Kunst bei. Seine Werke basieren auf einfachen geometrischen Formen wie Kreisen, Dreiecken und Rechtecken, die in klaren Farbfeldern angeordnet sind. 1931 ist er Mitbegründer der oben erwähnten Gruppe Abstraction-Création. Diese Gruppe setzt sich für eine rationale, geometrische Abstraktion hin zur Konkreten Kunst ein. Diese Kunst ist völlig gegenstandslos – eben konkret.

Insgesamt legen die dreißiger und vierziger Jahre den theoretischen und ästhetischen Grundstein für die Konkrete Kunst. Trotz der schwierigen politischen Situation schaffen Künstler wie zunächst Theo van Doesburg und Piet Mondrian, später Max Bill, Richard Lohse und Auguste Herbin Werke, die die Prinzipien dieser Bewegung definieren und den Weg für die Nachkriegsgeneration ebnen.

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3 Antworten zu „Konkrete Kunst in den 30er und 40er Jahren I“

  1. Avatar von Mindsplint

    Wirklich immer sehr interessant, deine Beiträge. 🙂

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      1. Avatar von Mindsplint

        Gerne! 🙂

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