Marcelle Cahn – Kunst und Philosophie

Weiter in meiner Reihe von Künstlerinnen der geometrischen Abstraktion zu Marcelle Cahn. Sie ist fürwahr eine der bedeutendsten Vertreterinnen dieser Kunstrichtung.

Geboren 1895 in Straßburg, zeigt Marcelle Cahn schon früh eine ausgeprägte künstlerische Begabung. Ihre umfassende Ausbildung führt sie zunächst nach Berlin, wo sie unter der Anleitung renommierter Künstler wie Lovis Corinth und Eugene Spiro die Grundlagen der Malerei erlernt. Die deutsche Hauptstadt, mit ihrer lebendigen Kunstszene und den avantgardistischen Strömungen, prägt Marcelle Cahn nachhaltig.

Marcelle Cahn, Ohne Titel, 1968, Quelle: WikiArt.org – Enzyklopädie der visuellen Künste, (c) FairUse

Nach dem Ersten Weltkrieg zieht sie nach Paris, dem damaligen Zentrum der modernen Kunst. Hier setzt sie ihre Studien fort, diesmal bei den führenden Vertretern der geometrischen Abstraktion, Fernand Léger und Amédée Ozenfant. Unter ihrem Einfluss entwickelt Marcelle Cahn einen eigenen, klar konturierten Stil, der sich durch einfache geometrische Formen, klare Farben und eine strenge Komposition auszeichnet. Ihre frühen Werke zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit den Prinzipien des Kubismus und des Purismus.

Die Mitgliedschaft in der Künstlergruppe Cercle et Carré, die sich der geometrischen Abstraktion verschrieben hat, festigt Marcelle Cahn’s Position in der avantgardistischen Szene. Gemeinsam mit Künstlern wie Piet Mondrian und Jean Hélion entwickelt sie eine strenge, rationale Kunstsprache, die sich von den emotional aufgeladenen Expressionismen der damaligen Zeit abhebt.

Der Zweite Weltkrieg zwingt Marcelle Cahn zu einer Unterbrechung ihrer künstlerischen Tätigkeit. Sie zieht sich nach Toulouse zurück und vertieft sich in philosophische Studien, insbesondere in die Werke Kants. Diese Auseinandersetzung mit der Philosophie hinterlässt fortan tiefe Spuren in ihrem Werk.

Nach dem Krieg kehrte Marcelle Cahn nach Paris zurück und schließt sich dem Salon des Réalités Nouvelles an. Hier stellt sie ihre neuesten Arbeiten aus, die sich durch eine noch größere Klarheit und Präzision auszeichnen. In den fünfziger Jahren beginnt sie, verstärkt mit Collagen zu arbeiten. Diese kleinen, oft sehr komplexen Werke, setzen sich aus unterschiedlichsten Materialien zusammen und zeigen eine neue Facette ihres künstlerischen Schaffens.

Marcelle Cahn’s Collagen sind nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch Ausdruck einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Mediums. Durch die Kombination von verschiedenen Materialien und Techniken gelang es ihr, eine räumliche Tiefe zu erzeugen und die Grenzen zwischen Malerei und Plastik aufzuheben.

Die Zusammenarbeit mit der Galerie Denise René ab Anfang der sechziger Jahre bringt Marcelle Cahn den internationalen Durchbruch. Ihre Werke werden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und finden Eingang in alle bedeutenden Sammlungen geometrischer und konkreter Kunst.

Jede Menge ihrer Werke finden sich bei Wikiart und hier noch der Link zur französischsprachigen Webseite der Freunde der Künstlerin: Marcelle Cahn

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