Im Jahr 1929 vereinen sich in Paris Künstler aus aller Welt, um eine neue künstlerische Bewegung zu begründen: Cercle et Carré (Kreis und Quadrat). Initiatoren sind der vielseitige Künstler und Kunstkritiker Michel Seuphor – den ich vorgestern hier vorgestellt habe – sowie der Maler Joaquín Torres García. Ihre Idee: Eine Plattform für Künstler zu schaffen, die sich der abstrakten Kunst verschrieben haben und sich damit von den dominierenden surrealistischen Strömungen der Zeit abgrenzen.

Die Gruppe, die nur ein Jahr existiert, hinterlässt dennoch einen bedeutenden Fußabdruck in der Kunstgeschichte. Cercle et Carré fördert die Entwicklung und Verbreitung der abstrakten Kunst und organisiert im April 1930 eine bahnbrechende Ausstellung in der Pariser Galerie 23. Mit dieser Schau, die von 46 Künstlern bestritten wird, präsentiert sich die Gruppe erstmals der Öffentlichkeit. Die Ausstellung gilt als eine der ersten internationalen Gruppenausstellungen, die sich ausschließlich der abstrakten Kunst widmet.
Die Mitglieder von Cercle et Carré sind überzeugt von der Notwendigkeit einer neuen, rein auf Form und Farbe basierenden Kunst. Sie suchen nach einer Kunst, die frei von jeglicher gegenständlichen Darstellung ist und sich stattdessen auf die grundlegenden Elemente der Kunst konzentriert. Die Zeitschrift der Gruppe, die ebenfalls den Namen Cercle et Carré trägt, dient als Forum für den Austausch von Ideen und als Plattform für die Präsentation neuer Werke.
Trotz der Begeisterung und des Engagements der Mitglieder löst sich die Gruppe bereits im Sommer 1930 wieder auf. Unterschiedliche künstlerische Auffassungen, insbesondere zwischen Piet Mondrian und Theo van Doesburg, führen zu internen Spannungen. Zudem entsteht mit der Gründung von Abstraction-Création im Jahr 1931 eine neue Gruppe, die viele ehemalige Mitglieder von Cercle et Carré vereint und deren Ideen weiterentwickelt.
Ein Auszug der Liste der Mitglieder des Cercle et Carré lässt aber auf die Bedeutung der kurzlebigen Gruppe schließen: Wassily Kandinsky, Piet Mondrian, Fernand Léger, Walter Gropius, Antoine Pevsner, Georges Vantongerloo, Joaquín Torres García, Hans Arp, Kurt Schwitters, Le Corbusier, Willi Baumeister, Sophie Taeuber-Arp, Marcelle Cahn, Pierre Daura, Michel Seuphor und viele, viele mehr … setzen ein erstes Ausrufezeichen in Sachen abstrakte Kunst.
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