Michel Seuphor: Mondrian und Cercle et Carré

Michel Seuphor, eigentlich Fernand-Louis Berckelaers, ist eine Schlüsselfigur der europäischen Avantgardebewegung des 20. Jahrhunderts. Als Kunstkritiker, Autor und Künstler spielt der Belgier eine entscheidende Rolle bei der Etablierung und Verbreitung der abstrakten Kunst.

Michel Seuphor, Komposition V, 1929, Quelle: Michel Seuphor – WikiArt.org, (c) FairUse

Seine Karriere beginnt in den turbulenten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Als radikaler flämischer Propagandist engagiert er sich zunächst in seiner Heimatstadt Antwerpen. Doch sein Einfluss reicht weit über Belgien hinaus. Gemeinsam mit Jozef Peeters gründet er die Zeitschrift „Het Overzicht“, die zu einem wichtigen Forum für die europäische Avantgarde wird.

1925 zieht Michel Seuphor nach Paris, dem damaligen Zentrum der modernen Kunst. Hier knüpft er Kontakte zu zahlreichen Künstlern und Intellektuellen seiner Zeit, darunter Fernand Léger, Jean Arp, Sonia Delaunay und Piet Mondrian, mit dem ihn fortan eine enge Freundschaft verbindet. 1929 initiiert er zusammen mit Joaquín Torres-García die Gruppe „Cercle et Carré“, die sich zum Ziel setzt, die abstrakte Kunst zu fördern und zu verbreiten.

Neben seiner Tätigkeit als Kunstkritiker und Organisator ist Michel Seuphor ab dem Ende zwanziger Jahre auch als Künstler tätig. Seine frühen Werke sind stark von Piet Mondrian beeinflusst. Später entwickelt er einen eigenen Stil, der sich durch geometrische Formen und eine reduzierte Farbpalette auszeichnet. Besonders charakteristisch sind seine sogenannten „Lückenzeichnungen“, bei denen horizontale Linien in unterschiedlichen Abständen zueinander angeordnet sind und so leere Formen entstehen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt von Michel Seuphors Werk ist seine Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen Kunst und Sprache. In seinen „Tableaux-poèmes“ verbindet er seine Leidenschaft für die Dichtung mit seiner künstlerischen Arbeit.

Michel Seuphors umfangreiches Werk umfasst zahlreiche Publikationen zur Geschichte der abstrakten Kunst, darunter auch eine vielbeachtete Monografie über Piet Mondrian. Seine Schriften gelten bis heute als Standardwerke und haben maßgeblich zur Rezeption der abstrakten Kunst beigetragen.

„Die Sprache von Michel Seuphor ist Zeit seines Lebens immer die von Cercle et Carré geblieben, jener Künstlervereinigung, die er selbst 1929 in Paris ins Leben gerufen hat: ausgehend von Piet Mondrians und Theo van Doesburgs de Stijl-Bewegung mit ihren Reduktionen auf die drei Grundfarben Rot, Blau, Gelb sowie den weißen geometrischen Flächen und den geraden rechtwinkligen Linien. Michel Seuphor begründete den Namen seiner Künstlergruppe: ‚Für mich war es das einfachste Element für die Totalität aller Dinge. Die rationale Welt und die sinnliche, der Himmel und die Erde, die alten chinesischen Symbole, die geradlinige die kurvige Geometrie, der Mann und das Weib, Arp und Mondrian.’“

Mehr zum Künstler auf den Webseiten des Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen: Michel Seuphor und auf WikiArt: Michel Seuphor;
Quelle des obigen Zitates und ein wenig mehr zum Belgier: Michel Seuphor – Ludwig Museum, aufgerufen am 26.12.24

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3 Antworten zu „Michel Seuphor: Mondrian und Cercle et Carré“

  1. Avatar von Mindsplint

    Interessant – ich hätte nach dem Blick aufs Bild zu 100 % auf Mondrian getippt. 🙂

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    1. Avatar von Lars - Arte Concreta

      Tatsächlich sehr ähnlich, man kann die Bekanntschaft der beiden Künstler nachvollziehen 😀

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      1. Avatar von Mindsplint

        Absolut! 🙂

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