Weiter in meiner Reihe der Vorstellung von Künstlerinnen und Künstler, die im Rahmen der Gemeinschaftsausstellung des Museum für Moderne Kunst Ingolstadt und dem Kulturspeicher Würzburg „24! Fragen an die konkrete Gegenwart“ derzeit zu sehen sind, zu der im Iran geborenen und in Hannover lebenden Toulu Hassani.
Die Malereien von Toulu Hassani erinnern mit ihren geometrischen Strukturen und gleichmäßigen Rastern an die Traditionen abstrakter Ornamentik. Die fein gegliederten Raster, die für den Nahbereich konzipiert sind, wirken vor den Augen, indem Bildvorder- und -hintergrund kontinuierlich ihre Rollen zu wechseln scheinen. Bei genauerem Hinsehen offenbart das zugrundeliegende Rastersystem Verschiebungen und Richtungswechsel, die darauf hinweisen, dass es sich emanzipiert und eine eigene Logik entwickelt. Toulu Hassanis Werke setzen die Tradition minimalistischer und konkreten Malerei eigenständig fort und diskutieren dabei grundlegende Fragen nach Farbe, Komposition, Form und Struktur sowie nach Räumlichkeit und Flächenaufteilung. Ihre filigranen Arbeiten verbinden meisterhaft Malerei und Zeichnung sowie Malerei und Objekt, wobei der Bildträger selbst immer wieder in den Fokus rückt und die Objekthaftigkeit sowie die Materialität der Malerei hervortreten.
Die Zeit manifestiert sich in Toulu Hassanis Werken durch ihren langwierigen Entstehungsprozess. Die konzeptuelle Langsamkeit der Werkerstellung wird spürbar; die Gemälde scheinen sowohl physische als auch mentale (Lebens-)Zeit zu symbolisieren. Jedes dieser Werke ist daher auch ein Plädoyer für eine sukzessive, prozessuale Arbeitsweise und somit ein Gegenentwurf zu einer leistungsorientierten Welt, in der Zeit ein zentraler Parameter der Ökonomie ist. Idealerweise korrespondiert die langsame Entstehung dieser Bilder mit einer entschleunigten Rezeption: Durch eine kontemplative Konzentration, die sich dem Verständnis des künstlerischen Prozesses widmet, erhalten die Betrachtenden vertiefte Einblicke in die Entstehung der Gemälde.
Mehr Informationen zur Künstlerin im Webauftritt: Toulu Hassani
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