Ebenfalls zum weiteren Umfeld der De Stijl Bewegung gehört die englischen Künstlerin Marlow Moss. Geboren 1889 im englischen Kilburn als Marjorie Jewel Moss, widersetzt sie sich dem Willen ihrer Eltern und geht 1916 nach London, um dort Malerei zu studieren. Nach dem Studium lässt sie sich in Cornwall nieder, wo sie in den zwanziger Jahren zunächst weg von der Malerei zur Bildhauerei wechselte und erst Ende der zwanziger Jahre wieder zurück zur Malerei findet. Gleichzeitig vollzieht sie einen radikalen Wandel in ihrem Lebensstil. Sie schneidet ihre Haare kurz, kleidete sich wie ein Mann und nannte sich fortan Marlow.
Anfang der dreißiger Jahre geht sie nach Paris, wo sie die niederländische Schriftstellerin Nettie Nijhoff kennenlernt, mit der sie eine lebenslange Liebesbeziehung verbindet. Marlow Moss nimmt an Kursen der Académie Moderne teil und wird von Fernand Léger und Amedée Ozenfant unterrichtet.
Die Begegnung mit Piet Mondrian und seinem Werk erweist sich jedoch als Schlüsselmoment für ihre eigene künstlerische Entwicklung. Inspiriert von Mondrians Neoplastizismus schafft Moss abstrakte Gemälde mit einfachen horizontalen und vertikalen Linien sowie Flächen in Primärfarben.
1932 experimentiert sie mit einer Verdopplung der horizontalen Linien, wodurch ein schmaler weißer Zwischenraum entsteht. Dieser Zwischenraum wirkt gleichzeitig als Fläche und Linie und inspirierte Piet Mondrian dazu, die statische Ruhe seiner Werke durch ein dynamischeres Gleichgewicht zu ersetzen.
Marlow Moss treibt die Abstraktion ihrer Gemälde so weit voran, dass sie bisweilen nur noch aus weißen Flächen mit feinen Linien und Farbakzenten bestehen. Erst Jahre später wird ihr bewusst, welch immensen Einfluss ihre Kunst auf Piet Mondrian, den Begründer von De Stijl ausgeübt hat.
Marlow Moss stirbt 1958 in Penzance und hinterlässt ein beeindruckendes Werk, das sie als Pionierin der konkreten Kunst auszeichnet.
Hier noch Link zu einem Artikel über Marlow Moss anlässlich einer Ausstellung in der Tate GAllery in London in englischer Sprache: Marlow Moss: forgotten art maverick | Culture | The Guardian
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