In den fünfziger Jahren haben immer mehr konkrete Künstler versucht, den bis dato gegebenen Formenschatz der geometrischen und konkreten Kunst zu erweitern. Die Künstler befürchteten in der bestehenden Bildsprache zu erstarren und keine Weiterentwicklungsmöglichkeiten mehr zu finden. Dabei ging es nicht um eine Überwindung oder Zurückweisung des geometrischen Formenschatzes, sondern meist um eine Erweiterung auf Basis der Geometrie – zunehmend von den zweidimensionalen Flächen zu dreidimensionalen Körpern. Aber nicht allen Formen waren die geometrischen Formen heilig: Der argentinisch-italienische Avantgardekünstler Lucio Fontana zerschneidet geometrische Formen und erlangt damit Berühmtheit. Er schlitzt beispielsweise monochrome Leinwände und wölbt die Bildfläche nach außen oder durchlöchert Kugeln.

Lucio Fontana wird 1899 in Argentinien geboren, kommt aber bereits 1905 mit seiner Familie nach Italien und wächst in Mailand auf. Erst nach einem Ingenieursstudium kehrt er 1922 nach Argentinien zurück und arbeitet im Bildhaueratelier seines Vaters mit. Von der Bildhauerei begeistert, nimmt er Ende der zwanziger Jahre ein Bildhauerstudium in Mailand auf. Zunächst arbeitet er vor allem an gegenständlichen Plastiken und erst im Laufe der dreißiger Jahre nähert er sich der Abstraktion an. Er gründet die Mailänder Sektion der Pariser Künstlergruppe ‚Abstraction-Création‘, veröffentlich ein Manifest zur abstrakten Kunst und stellt erstmals seine Werke in einer Einzelausstellung in Mailand aus. Wirklich berühmt wird Lucio Fontana allerdings erst zwanzig Jahre später. 1958 zerschneidet er erstmals Leinwände! Mit Hilfe von Messerschnitten zertrennt oder schlitzt er die Leinwände und zerstört die monochrome, zweidimensionale Fläche der Leinwand. Später kommen dann noch die Kugeln und jede Menge weitere zerstörte Formen.
Jede Menge seiner Werke und weitere Informationen finden sich auf der Webseite der Fondazione Lucio Fontana – in englischer oder italienischer Sprache: Lucio Fontana
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