Nochmal zu Minoru Onoda, den ich zuletzt hier vorgestellt habe, und seinen Punkten: Bereits in den sechziger-Jahren beginnt Minoru Onoda, ein jüngerer Vertreter der Gutai Gruppe, Punkte in seriellen Anordnungen zu verwenden. Anders als bei dekorativen Mustern liegt der Fokus dabei nicht auf dem Ornament, sondern auf der Struktur. Seine Punkte wachsen, schrumpfen, verschieben sich im Raum – sie erzeugen eine Bewegung, die über das Bild hinausweist. Manche Leinwände zeigen Hunderte kleiner Kreise, die sich allmählich zu größeren verdichten, bis sie das ganze Bildfeld erfüllen. Diese Dynamik vermittelt den Eindruck, als sei das Werk Teil eines unendlichen Prozesses, der außerhalb des Rahmens weitergeht.
Minoru Onoda versteht die Punkte nicht als Abbild von etwas, sondern als eigene Realität. „Ein Punkt ist der Anfang von allem“, sagt er. In seiner Kunst werden damit Punkte zu Elementarteilchen einer universalen Ordnung, die keine narrative Deutung braucht. Sie sind konkret! Sie sind keine Symbole.
Dabei arbeitet Minoru Onoda mit großer Präzision. Er trägt die Punkte in klaren Farbkontrasten auf: Schwarz auf Weiß, Rot auf Blau, Gelb auf Grün. Oft verwendet er serielle Kompositionen, die – ganz im Sinne der klassischen konkreten Kunst – nach mathematischen Prinzipien angeordnet scheinen. Doch bei aller Strenge bleibt in seinen Werken ein Moment des Spielerischen, ja fast Organischen. Die Punkte pulsieren, sie scheinen sich zu bewegen, als hätten sie ein Eigenleben.
Minoru Onoda zeigt in seinen Werken, dass selbst der einfachste Punkt ein Universum eröffnen kann. Seine Werke sind streng und meditativ zugleich – stille Bilder, die im Betrachter eine Bewegung auslösen. Jeder Punkt ist Beginn und Ende zugleich, Teil eines Systems, das weder Anfang noch Abschluss kennt. In dieser Endlosigkeit liegt die Kraft seiner Kunst.
Bis zu seinem Tod 2008 bleibt Minoru Onoda seinen Punkten und seiner konkreten Bildsprache treu – konsequent, aber in kontinuierlicher Weiterentwicklung. Seine Werke aus den letzten Jahrzehnten wirken wie eine Verdichtung seines Lebenswerks: klar, präzise, meditativ – und zugleich voller Bewegung, als hätten die Punkte ein eigenes Leben.
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