Weiter mit den Mono-ha Künstlerinnen und Künstlern zu Kishio Suga. Er gehört zu den radikalsten Köpfen der Bewegung. 1944 geboren, entwickelt er seit den späten sechziger Jahren eine künstlerische Sprache, die Material, Raum und Wahrnehmung in präzise Beziehung setzt. Kishio Suga gilt als derjenige, der die theoretischen Ideen von Mono-ha am konsequentesten in umfassende Raumarbeiten übersetzt.

Quelle: WikiArt, (c) FairUse
Seine Installationen bestehen aus einfachen Materialien wie Holz, Stein, Seil, Glas, Metall oder Erde. Doch was sie besonders macht, ist ihre spezifische Anordnung. Kishio Suga spricht dann von „Situierungen“: Er bringt Dinge so zueinander, dass ein neues Gefüge entsteht. Ein Holzbalken, der an einer Wand lehnt, wird durch ein gespanntes Seil fixiert; Glasplatten stehen frei im Raum, Steine halten sie in Balance. In diesen präzisen Arrangements entsteht eine neue Ordnung, die der Betrachter unmittelbar erfährt.
Kishio Sugas Werke sind keine Objekte im klassischen Sinne. Sie sind Situationen, die von der räumlichen Spannung leben. Entscheidend ist nicht die Form, sondern das Verhältnis der Dinge zueinander. Gewicht, Stabilität, Fragilität und Balance treten als Kräfte hervor. Das Werk zeigt nicht, was der Künstler „macht“, sondern wie Materialien aufeinander reagieren, wenn man sie in eine bestimmte Beziehung setzt. Damit geht Kishio Suga einen Schritt weiter als viele seiner Mono-ha-Kollegen. Während Lee Ufan und Nobuo Sekine vor allem einzelne Konstellationen betonen, untersucht Kishio Suga ganze Systeme von Relationen. Seine Installationen wirken oft wie provisorische Konstruktionen, doch in Wahrheit sind sie hochpräzise komponiert. Jeder Balken, jede Schnur, jeder Stein ist Teil eines komplexen Gleichgewichts, das jederzeit zu kippen scheint – und gerade dadurch eine enorme Spannung entfaltet.
Auch theoretisch reflektiert Kishio Suga intensiv über Kunst. In zahlreichen Texten beschreibt er seine Haltung: Kunst ist keine Darstellung, sondern ein Ereignis im Raum. Der Künstler erschafft keine neuen Formen, sondern offenbart die Beziehungen, die in den Dingen bereits angelegt sind. Damit nähert er sich einer fast philosophischen Position, in der Kunst weniger als Objekt, sondern als Erfahrung verstanden wird.
International werden seine Arbeiten in den siebziger Jahren ausgestellt, doch lange bleibt Kishio Suga außerhalb Japans wenig bekannt. Heute gilt er als einer der wichtigsten Installationskünstler der Nachkriegszeit. Seine Arbeiten fordern dazu auf, den Raum bewusst wahrzunehmen – und in der Begegnung von Dingen die unsichtbaren Ordnungen zu erkennen, die unsere Welt prägen.
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