Lee Ufan ist der der Denker und zugleich einer der sichtbarsten Künstler der Mono-ha-Bewegung. 1936 in Korea geboren, kommt er Ende der 1950er-Jahre nach Japan, wo er nicht nur als Maler und Bildhauer, sondern auch als Theoretiker entscheidenden Einfluss gewinnt. Mit seinen Texten und Werken gibt er der Bewegung ein intellektuelles Fundament, das über Japan hinauswirkt.
Im Zentrum seiner Kunst steht das Verhältnis von Dingen und Raum. Ufan Lee interessiert sich nicht für die Geste des Künstlers oder für expressiven Ausdruck. Stattdessen stellt er Steine, Glasplatten oder Stahlträger in präzise Konstellationen. Er verändert die Materialien kaum, sondern arrangiert sie so, dass ihre innere Qualität sichtbar wird. Ein schwerer Fels ruht auf einer dünnen Glasplatte, ein Stahlbalken lehnt an einer Wand – in diesen scheinbar einfachen Setzungen entsteht eine Spannung, die den Betrachtenden unmittelbar erfasst.
Für Ufan Lee ist entscheidend, dass Kunst nicht die „Herrschaft“ des Künstlers über das Material bedeutet. Er spricht von der „Begegnung von Dingen“ und betont, dass sich Bedeutung im Zwischenraum entfaltet: zwischen Stein und Glas, zwischen Werk und Raum, zwischen Objekt und Betrachter. Kunst ist für ihn weniger ein fertiges Produkt als eine Erfahrung, die sich in der Wahrnehmung vollzieht.
Seine Malerei folgt derselben Haltung. In den siebziger Jahren entwickelt Ufan Lee die Serie „From Point“ und „From Line“: Er setzt einzelne Pinselstriche auf die Leinwand, wiederholt sie, bis die Farbe sich erschöpft. Was bleibt, ist die Spur des Prozesses – ein visuelles Zeugnis von Zeit, Rhythmus und Vergänglichkeit. Auch hier ist es nicht der expressive Akt, der zählt, sondern das stille Verhältnis von Geste, Material und Leere.

Als Theoretiker formuliert Lee Ufan die ästhetischen Grundlagen von Mono-ha. In seinen Schriften betont er, dass Kunst nicht auf Machen, sondern auf „Lassen“ beruht. Der Künstler soll nicht dominieren, sondern Bedingungen schaffen, unter denen Dinge ihre Eigenheit entfalten können. Diese Haltung grenzt Mono-ha deutlich von westlicher Minimal Art ab: Wo im Westen oft formale Strenge und industrielle Perfektion dominieren, sucht Lee nach Balance, Beziehung und Offenheit.
Lee Ufan verkörpert Mono-ha wie kein anderer. Er zeigt, dass Kunst nicht im Spektakel liegt, sondern in der stillen Intensität von Dingen, die sich im Raum begegnen. Seine Werke laden ein, genau hinzuschauen – und im scheinbar Einfachen die Tiefe des Seins zu entdecken.
Mehr Informationen zum Künstler auf dem Webseiten des Studio Lee Ufan
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