Sadamasa Motonaga und die Poesie der Farbe und des Fließens

Sadamasa Motonaga ist der Poet unter den Gutai-Künstlern, ein Meister der Farbe und des organischen Experiments. Er wird 1922 in Ueno geboren. Schon als Jugendlicher interessiert er sich für Malerei, aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt er ernsthaft zu arbeiten. Zunächst faszinieren ihn dabei vor allem die japanischen Manga Zeichnungen. Er ist Autodidakt, neugierig, unkonventionell – Eigenschaften, die ihn bald zu einem der wichtigsten Mitglieder der Gutai-Gruppe machen werden.

Als er 1955 zu Gutai stößt, bringt er eine andere, weichere, fast spielerische Note in die Bewegung. Während Künstler wie die zuletzt hier vorgestellten Kazuo Shiraga oder Shōzō Shimamoto mit körperlicher Wucht und Zerstörung arbeiten, entdeckt Sadamasa Motonaga das Fließende, das Leichte, das Poetische. Seine frühen Arbeiten entstehen aus Experimenten mit Wasser, Farbe und transparenter Folie. Für eine seiner ersten Installationen füllt er Wasser in lange Vinylschläuche, hängt sie zwischen Bäumen auf und lässt Licht und Bewegung durch das Material wandern. Kunst wird bei ihm zu einem lebendigen, atmenden Organismus.

Sadamasa Motonaga, Sakuin (eau), 1956, Quelle: WikiArt, (c) FairUse

In den Folgejahren sind seine Werke geprägt von rhythmischen Farbbewegungen und organischen Formen. Er nutzt Wasser, Farbe, Papier und Leinwand, um dynamische Strukturen zu erzeugen. Oft lässt er farbige Flüssigkeiten über Papier fließen, spritzt, tropft und mischt sie direkt vor den Augen der Betrachter. So entstehen Formen, die zugleich zufällig und harmonisch wirken, fließend wie natürliche Muster. Sadamasa Motonaga verbindet damit spielerische Leichtigkeit mit präziser Kontrolle. Jede Aktion ist kalkuliert, doch die Materialeigenschaften werden stets respektiert: Farbe fließt, Papier saugt, Wasser bewegt sich – alles trägt zum endgültigen Werk bei. Die Energie der Natur, ihre Unberechenbarkeit und Schönheit, wird durch seine Experimente sichtbar. Dabei bleibt er der Philosophie von Gutai treu: Kunst ist ein Ereignis, nicht nur ein Objekt.

Neben seinen flüssigen Farbarbeiten entwickelt Sadamasa Motonaga auch reliefartige Installationen. Kleine Kugeln, Stoffstreifen oder Papierstücke werden auf Wänden oder Böden angeordnet und erzeugen rhythmische Strukturen, die den Raum selbst in Bewegung setzen. Seine Arbeiten wirken leicht, fast spielerisch, bergen aber eine intensive Auseinandersetzung mit Farbe, Form und Komposition. In den 1960er-Jahren beginnt Sadamasa Motonaga, Lackfarben zu verwenden, die ihm ermöglichen, fließende, glatte Oberflächen zu schaffen. Seine Kompositionen werden klarer, grafischer, doch das Spielerische bleibt. Später arbeitet er auch als Buchillustrator und Kinderbuchautor – ein Feld, das zu seiner heiteren, experimentellen Haltung passt.

Sadamasa Motonaga bleibt der Gutai-Gruppe bis zu deren Auflösung 1972 verbunden. Danach etabliert er sich als Einzelkünstler mit internationaler Präsenz. Bis zu seinem Tod 2011 bleibt er dem Fließen treu – in Farbe, Form und Geist. Seine Bilder strahlen eine Leichtigkeit aus, die selten ist in der Nachkriegskunst. Sie zeigen, dass Radikalität nicht laut sein muss, dass Experiment und Poesie sich nicht ausschließen. Sadamasa Motonaga hinterlässt ein Werk voller Bewegung und Harmonie – ein stilles, farbenfrohes Gegengewicht innerhalb der Gutai-Bewegung.

Eine Reihe von Fotos seiner Werke bei WikiArt: Sadamasa Motonaga

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2 Antworten zu „Sadamasa Motonaga und die Poesie der Farbe und des Fließens“

  1. Avatar von juergenkuester

    Weiter so! Bin schon auf den nächsten Beitrag gespannt, Liebe Grüße!

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