Der französische Maler Auguste Herbin (1882–1960) gilt als Revolutionär der Moderne und einer der Begründer der Abstraktion in Frankreich. Das Lenbachhaus München würdigt den bedeutenden Künstler nun mit einer Einzelausstellung, die bis zum 19. Oktober diesen Jahres zu sehen ist.
Kurz nach der Jahrhundertwende beginnt Auguste Herbin mit spätimpressionistischen Landschaften, Stillleben und Porträts, schon jetzt in leuchtenden, dabei harmonisch gehandhabten Farben, die in der darauffolgenden fauvistischen Phase wild werden und es ein Leben lang bleiben. 1908 malt er erste kubistische Bilder und zählt damit zu den Erfindern dieser Bildsprache. Auch sein Kubismus ist starkfarbig. 1909 bezieht er ein Atelier im berühmten Bateau-Lavoir auf dem Pariser Montmartre, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Pablo Picasso und Kees van Dongen.

Auguste Herbin malt in unterschiedlichen Gegenden Frankreichs von der belgischen Grenze bis zur spanischen sowie im belgischen Brügge, im Hamburger Hafen und auf Korsika. Jeder Ortswechsel bringt die Wahrnehmung neuer Formen mit sich und löst häufig Veränderungen in seiner Bildsprache aus. Erst als er sich in den dreißiger Jahren endgültig auf die abstrakte Kunst verlegt, bleibt er vor Ort in Paris. Während des ersten Weltkriegs entwirft er Tarnmuster für Flugzeuge, danach entwickelt er für dekorative Holzobjekte zum ersten Mal ein völlig abstraktes, geometrisches Formenvokabular. Als sozial engagierter Künstler und zeitweiliges Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs sieht er darin eine monumentale „Kunst für alle“. Wenn er sich anschließend einer figurativen magisch-realistischen Malerei zuwendet, dann bedeutet das keinen Bruch, sondern eine Metamorphose.
Nach einigen Jahren kehrt er zur abstrakten Malerei zurück und beginnt zunächst mit runden Formen, Voluten und Spiralen. Als Organisator von Ausstellungen und Vereinigungen setzt er sich für die Bedeutung der abstrakten Kunst ein, ab 1931 insbesondere als Präsident der Gruppe Abstraction-Création. In den späten 1930er Jahren widmet er sich verstärkt Farbtheorien, insbesondere den anthroposophischen Adaptionen von Goethes Farbenlehre. 1942 entwickelt er daraus sein „alphabet plastique“, einwerk aus reinen Farbtönen, geometrischen Formen, Musiknoten und Buchstaben. Damit „buchstabiert“ er Begriffe in Bildern, interpretiert sie jedoch stets variabel hinsichtlich ihrer emotional erfahrbaren Qualität. Nach 1945 wird Auguste Herbin zu einem Vorbild für Vertreter der konkreten und kinetischen Kunst sowie der Op-Art. Sein Werk wird fortan in zahlreichen Einzelausstellungen weltweit präsentiert.
Quelle dieser Einführung und alle Informationen rund um die Ausstellung im Lenbachhaus: Auguste Herbin
Mehr zu Auguste Herbin: August Herbin, Gründer der „Abstraction-Création“
Viel Spaß in München!
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