Environments und Assemblagen

Heute mal ein wenig Theorie: In der zeitgenössischen Kunst gibt es verschiedene Formen, die mit Skulpturen, Installationen und Raumkunst verwandt sind. Zwei wichtige Begriffe in diesem Zusammenhang sind Environments und Assemblagen, die jeweils eigene künstlerische Ausdrucksformen beschreiben.

Die Assemblage ist eine Technik, bei der unterschiedliche, oft vorgefundene Objekte (sogenannte „Readymades“) zu einer dreidimensionalen Komposition zusammengefügt werden – Assemblage ist also so etwas wie eine dreidimensionale Collage. Die vorgefundenen Objekte können aus Holz, Metall, Alltagsgegenständen oder sogar Abfällen bestehen.
Die Assemblage wird in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts populär, insbesondere durch Künstler wie Pablo Picasso, Kurt Schwitters und später Robert Rauschenberg. 

Kurt Schwitters schafft zum Beispiel mit seinen MERZ-Bauten Assemblagen, die Objekte des täglichen Lebens in Kunstwerke verwandeln. Robert Rauschenberg entwickelt in den fünfziger Jahren seine berühmten Combines, eine Mischung aus Malerei, Skulptur und Assemblage, in der er Materialien wie Stoff, Holz, Zeitungsausschnitte oder sogar Tierpräparate verwendet. (unten ein Video zu Rauschenbergs Assemblagen)

Ein charakteristisches Merkmal der Assemblage ist ihre Materialität und Haptik. Sie bleibt häufig ein eigenständiges Kunstobjekt, das zwar mit Raum und Material interagiert, jedoch nicht unbedingt die Umgebung oder den Betrachter einbezieht. 

Im Gegensatz zur Assemblage, die ein einzelnes Objekt darstellt, beschreibt das Environment eine begehbare, raumfüllende Kunstinstallation, die oft auf die Interaktion mit dem Betrachtenden ausgelegt ist. Das Environment geht über die reine Objektkunst hinaus und integriert den Raum selbst als künstlerisches Medium.

Einer der Pioniere des Environments war Allan Kaprow, der in den sechziger Jahren Happenings und immersive Installationen schafft, die den Betrachtenden aktiv einbeziehen. Ein berühmtes Beispiel ist eben auch Edward Kienholz‘ 1961 entstandenes Werk Roxy’s, dass ich vorgestern hier vorgestellt habe. Roxy‘s ist eine begehbare Rekonstruktion eines Bordells, das soziale Missstände thematisiert.

Während eine Assemblage eine kompakte, skulpturale Form hat, erstreckt sich ein Environment gängiger Weise über einen ganzen Raum. Beide Kunstformen nutzen gefundene Objekte, doch das Environment geht darüber hinaus, indem es eine ‚gesamte Atmosphäre‘ oder ein künstlerisches Erlebnis erschafft. … und wie immer in der Kunst ist eine Abgrenzung letztendlich schwierig – die Übergänge sind fließend!

Robert Rauschenbergs Combines:

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