Vorgestern schon kurz erwähnt: Das Self-Obliteration Event ist eine Performance von Yayoi Kusama in den späten sechziger Jahren, die ein zentrales Konzept ihrer Kunst zum Ausdruck bringt: die Selbstauflösung durch Wiederholung und Verschmelzung mit der Umgebung. Yayoi Kusama entwickelt diese Idee aus ihrer persönlichen Erfahrung mit Halluzinationen, in denen sie Muster und Punkte sieht, die sich unendlich fortsetzen und schließlich ihre gesamte Wahrnehmung durchdringen.
Während des Self-Obliteration Event bemalt Yayoi Kusama sowohl Objekte als auch Menschen mit ihren charakteristischen Punkten. Sie veranstaltet diese Performances an verschiedenen Orten, darunter in Galerien, Parks und sogar auf der Straße. Die Teilnehmer – oft nackt – lassen sich von ihr mit bunten Punkten oder Körperbemalung überziehen, bis ihre individuellen Körperformen scheinbar mit der Umgebung verschmelzen. Durch diese Aktion will Yayoi Kusama den Zustand der „Selbst-Obliteration“ (Selbstauflösung) erreichen, in dem das Individuum nicht mehr als getrennte Entität existiert, sondern vollständig in der Gesamtheit aufgeht.
Diese Performances sind eng mit der damaligen Gegenkultur und der psychedelischen Bewegung der sechziger Jahre verbunden. Yayoi Kusama inszeniert ihre Self-Obliteration-Events oft als Happenings mit Musik, Lichtinstallationen und freien, spontanen Bewegungen der Teilnehmer. Sie versteht diese Performances als eine Form des Protests gegen gesellschaftliche Normen, Geschlechterrollen und Krieg, insbesondere auch gegen den Vietnamkrieg.
Ein Höhepunkt dieses Konzepts ist ihr experimenteller Film Self-Obliteration (1967), der ihre Performances dokumentiert und ihre künstlerische Philosophie in bewegten Bildern festhält. Der Film zeigt Menschen, die in Natur und urbanen Räumen mit Punkten bedeckt sind, bis sie scheinbar in ihrer Umgebung aufgehen.
Das Self-Obliteration Event ist eine der radikalsten und einflussreichsten Aktionen von Yayoi Kusama. Es trägt dazu bei, sie als zentrale Figur der Avantgarde und der Performancekunst zu etablieren. Heute findet sich das Prinzip der Selbstauflösung in vielen ihrer Werke wieder, insbesondere auch in ihren Infinity Mirror Rooms, in denen sich der Betrachter in einer unendlichen Spiegelwelt verliert. In den kommenden Tagen mehr zu diesen Rooms.
Mehr Informationen zum Self-Obliteration auf den Webseiten des Yayoi Kusama Museums: Yayoi Kusama’s Self-Obliteration/Psychedelic World – YAYOI KUSAMA MUSEUM 草間彌生美術館
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