Max Bill und der Ulmer Hocker

Beginnen will ich meine Reihe von Designern mit Max Bill. Über keinen anderen Konkreten Künstler habe ich in diesem Block mehr geschrieben. Max Bill ist ein vielseitiger Mensch, bekannt für Architektur, Kunst, Produktdesign, Typografie, Journalismus, Forschung, Lehre und Politik. Und eben auch Maler, Bildhauer, Designer – vor allem Möbeldesigner – und Kunsttheoretiker.

Nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Silberschmied studiert Bill von 1927 bis 1929 Architektur am Bauhaus in Dessau bei Lehrern wie Wassily Kandinsky, Max Klee, Oskar Schlemmer und Laszló Moholy-Nagy. Die Bauhaus-Lehre inspiriert ihn, alle Künste zu vereinen und Kunst zu schaffen, bei der das Material der Funktion entspricht. Ein großer Einfluss ist auch Piet Mondrian, den Max Bill 1932 in Zürich trifft. Piet Mondrian ermutigt ihn zu einer mathematisch konstruierten, konkreten Kunst ohne Naturbezug.

Mitte der dreißiger Jahre entstehen seine „Fünfzehn Variationen über ein einziges Thema“ mit Primär- und Sekundärfarben in verschiedenen Anordnungen, die ihn international bekannt machen. Nach dem Weltkrieg entwirft er Gebrauchsgegenstände, darunter legendäre Uhren für Junghans und eben auch den Ulmer Hocker:

Max Bill, Ulmer Hocker, Christos VittoratosUlmer-hocker-hfg-ulm-max-billCC BY-SA 3.0

Der Ulmer Hocker ist Sitz, Beistelltisch, Rednerpult, Teil eines Regals, Tablett und Tragehilfe in einem. Er diente zur Erstausstattung der Hochschule in Seminar-, Ess- und Wohnräumen und wurde daher zum Symbol der Hochschule für Gestaltung in Ulm, die Max Bill mit begründet und deren erster Rektor er ist. Die Schule legt besonderen Wert auf die Gestaltung von industriellen Massenprodukten. Einige Absolventen, wie Dieter Rams bei Braun, beeinflussen später das deutsche Produktdesign. Trotz eines vielversprechenden Starts wird die Schule 1969 aus politischen Gründen geschlossen, und Max Bill verlässt sie 1957, um als freischaffender Architekt und Künstler zu arbeiten. Neben seiner Kunst veröffentlicht er kontinuierlich in diesen Jahren viele theoretische Abhandlungen zur konkreten Kunst. In seiner Arbeit konzentriert er sich auf die Gestaltung von „Produktformen“ und entwirft Schreibmaschinen, Hängeleuchten, Sonnenlampen und Haarbürsten Metallleuchten, Stuhl- und Tischmodelle wie den Kreuzzargenstuhl:

Max Bill, Kreuzzargenstuhl

Max Bills Philosophie – angelehnt and die Philosophie des Bauhauses-, dass Design sowohl schön als auch funktional sein sollte, hat die Entwicklung des modernen Designs maßgeblich beeinflusst. Seine Arbeiten und Lehren betonten die Bedeutung von Klarheit, Einfachheit und Rationalität im Designprozess. Diese Prinzipien sind bis heute relevant und beeinflussen zeitgenössische Designer weltweit.

Mehr zum Ulmer Hocker bei Wikipedia: Ulmer Hocker

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