Antonio Calderara kommt spät zur Konkreten Malerei. Erst Ende der Fünfziger Jahr malt er seine ersten gegenstandslosen Bilder und ist da schon fast sechzig Jahre alt. Davor hat er allerdings schon einige Erfolge als Landschaftsmaler vorzuweisen. Seine erste Ausstellung hat der Italiener bereits 1934 in Mailand und in den fünfziger Jahren ist er mit seinen Werken auf der Biennale in Venedig zu sehen. Bekannt wird Antonio Calderara dann allerdings einem internationalen Publikum mit den konkreten Werkreihen ‚Spazio Mentale‘ und ‚Spazio Luce‘.

Quelle: WikiArt, (c) FairUse
„Die Abbildung der dinglichen Welt hatte mit dem Beginn der Moderne an Bedeutung verloren. Im Fokus künstlerischen Interesses lagen jene metaphysischen Zusammenhänge, die unser Sein bestimmen. Es galt, künstlerische Ausdrucksformen zu finden, die jene mit dem Auge nicht wahrnehmbaren Strukturen sinnlich erfahrbar machten. Zwangsläufig führte dies zu einer gegenstandsfreien Kunst. Antonio Calderara entwickelte für sich die Vorstellung des mentalen Raumes, des ‚spazio mentale‘: ein geometrisch konstruierter, struktureller Rahmen, in dem sich Licht – Sinnbild für alles Metaphysische, Transzendente, Geistige – in Form von Farbe ereignen konnte. Die dingliche Welt erscheint nur noch als ‚Erinnerung‘ in diesem Raum …“
Mit den ‚spazio luce‘ fand Calderara im Laufe der 1960er-Jahre zu seiner adäquaten, künstlerischen Ausdrucksform. Konkrete Gestaltungsprinzipien‚ wie er sie aus den Werken von Josef Albers und Piet Mondrian ableitete, bildeten ein theoretisches Fundament – zum alleinigen Bildgegenstand wurden sie nicht. Calderaras primäres Interesse galt der Darstellung von Licht. Da in seinem Wesen immateriell, nehmen wir Licht nur in seinen Manifestationen, das heißt farbigen Brechungen wahr. Calderara trägt diesem Umstand in einer subtil verfeinerten Technik Rechnung. Der tonale Farbauftrag erfolgt in bis zu 40 Lasuren, feinsten Schichten, die in konzentrierten Arbeitsprozessen auf grundierte Holzträger aufgebracht werden. Eine Farbigkeit von ätherischer Qualität entsteht. Einfallendes Licht bricht sich in den unterschiedlichen Malschichten und reflektiert aus der Tiefe. Es beleuchtet nicht, wirft keine Schatten. Es ist einzig und allein aus sich selbst heraus wahrnehmbar.
Calderara betont die räumliche Dimension seiner Kompositionen, indem er eine spezielle Rahmung für sie vorsieht. Er montiert die Tafeln in geringem Abstand zur Rückwand in einem verglasten Kastenrahmen. Der Eindruck frei schwebenden Tiefenlichtes entsteht. Das ‚gemalte Licht‘ wird Teil einer räumlichen Realität.“
Quelle: Sabine Gruber: „Antonio Calderara“, in: Konkret. Die Sammlung Heinz und Anette Teufel im Kunstmuseum Stuttgart, Bestandskatalog Bd. 1, Stuttgart, 2009, S. 86
Eine Auswahl seiner Werke findet sich bei WikiArt: https://www.wikiart.org/de/antonio-calderara
Hinterlasse einen Kommentar