Von der Galerie Denise René über die Grenzen hinweg nach Europa

1944 eröffnet die dreißigjährige Denise René eine Galerie in Paris mit dem Anspruch, große, bekannte oder aber auch vergessene Künstler zu vertreten. Die erste Ausstellung mit Werken des Op-Art Künstlers Victor Vasarely findet bereits Ende 1944 statt. Die Idee der Galeristin ist es dabei immer, sich mit der abstrakten Kunst und ihren Vorläufern zu beschäftigen und die Ideen der geometrischen Abstraktion jungen Künstlern der Avantgarde näher zu bringen. Und dies hat Erfolg! Die Galerie ist so etwas wie der Ausgangspunkt des Transfers geometrisch-abstrakter Ideen, aber insbesondere auch konkreter Ideen über die Landesgrenzen Frankreichs hinweg.

„Das Zusammentreffen von Künstlern verschiedenster Nationalitäten im Umkreis der Galerie Denise René bewirkte wiederum einen Austausch mit den Herkunftsländern der Künstler vor dem Hintergrund eines befreiten Europas. So regten beispielsweise Richard Mortensen und Robert Jacobsen von Paris aus konstruktiv—konkrete Ausstellungen in Dänemark an, vermittelte Olle Baertling seinem Künstlerkollegen Herbin eine Ausstellung in Stockholm“, übernahmen Deyrolle und Jacobsen, die wiederum mit dem aus Deutschland stammenden Fruhtrunk bekannt waren, Lehrtätigkeiten in München.

Cover des Buches “ Paris – Die 50er Jahre in Kunst und Kultur“, Frölich & Kaufmann Verlag, 1994

Während von Paris aus ein Transfer in die Herkunftsländer der Künstler um die Galerie Denise René begann, setzte sich Max BiII in der Schweiz für die Verbreitung der konkreten Kunst über die eigenen Landesgrenzen hinaus ein und stellte auch Verbindungen nach Südamerika her. Bill war Produzent und Vermittler jener Kunst, deren Tradition er skizzierte, die er unermüdlich verteidigte und die er gezielt weiter zu entwickeln und zu erweitern suchte. Vielfach von Max Bill organisiert, begann nach 1945 eine rege Ausstellungstätigkeit auch über die Grenzen Frankreichs hinaus und in Ländern außerhalb Europas. 1947 war er Mitorganisator einer umfassenden Ausstellung konkreter Kunst im Palazzo Reale in Mailand, die mit zur 1948 erfolgten Gründung der Bewegung M.A.C. — »Movimento d’Arte Concreta« (Bewegung der konkreten Kunst) führte. 1949 wurden Ausstellungen der konkreten Züricher Kunst in Deutschland und der Schweiz organisiert. 1960 fand unter Mitwirkung von Bill die bislang umfassendste Ausstellung in Zürich statt. Diese Ausstellungen wirkten bestärkend und impulsgebend für eine junge Künstlergeneration, die nicht mehr im direkten Kontakt stand zu den so genannten Pionieren.“

Quelle: Beate Reese: “Die europaweite Ausbreitung der konkreten Kunst nach 1945“, in: Konkrete Kunst in Europa nach 1945, Hrsg. von Museum im Kulturspeicher Würzburg, Ostfildern-Ruit, 2002, S. 265

Paris und speziell die Galerie Denise René ist nach dem Krieg so etwas wie der Schmelztiegel der Kunststile. Im Paris der fünfziger Jahre entwickelt sich dann auch die sogenannte kinetische Kunst. Über diesen einzigartigen Stil werde ich in den kommenden Tagen den einen oder anderen Text veröffentlichen.

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Eine Antwort zu „Von der Galerie Denise René über die Grenzen hinweg nach Europa“

  1. Avatar von christinenovalarue
    christinenovalarue

    🩶

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