Mary Corse und die weißen monochromen Gemälden

Mary Corse ist eine kalifornische Künstlerin, deren Werke irgendwo zwischen Abstrakten Expressionismus, Minimalismus, Konkreter Kunst und Lichtkunst einzuordnen sind. Sie wird gemeinhin auch mit der männerdominierten Licht- und Raumkunstbewegung der sechziger Jahre in Verbindung gebracht, obwohl ihre Bedeutung für diese Bewegung erst in den letzten Jahren vollständig anerkannt wird.

Mary Corse ist fasziniert von Wahrnehmungsphänomenen und der Idee, dass Licht selbst sowohl als Subjekt als auch als Material in der Kunst dienen kann. Sie ist weithin vor allem für ihre Experimente mit strahlenden Oberflächen bekannt, bei denen sie lichtreflektierende Materialien wie Mikroglaskugeln verwendet.

Zunächst besucht Mary Corse in den sechziger Jahren University of California, um Kunst zu studieren. Sie entwickelt ein Interesse an weißen monochromen Gemälden und bevorzugt für ihre Malereien den kontrollierten, geometrischen Stil des Minimalismus. Gleichzeitig beginnt sie, geformte Leinwände und dreidimensionale Arbeiten anzufertigen, für die sie Säulen aus Sperrholz und Fugenmasse zusammenbaute, die dann mit weißer Acrylfarbe bemalt und geschliffen werden, um alle Spuren ihrer Pinselführung zu entfernen. Ende der sechziger Jahre beginnen dann ihre Experimente mit Licht: es entstehen eine Reihe von Arbeiten, bei denen Leuchtstofflampen in Plexiglaskästen eingeschlossen werden. Sie ist so fasziniert von den Effekten, dass sie Versuche anstellt, die leuchtenden Plexiglaskästen ohne Kabel von der Wand zu entfernen, was den Einsatz einer Tesla-Spule erforderlich macht, die drahtlose Übertragung von Strom unterstützt. Mary Corse absolviert extra Kurse in Quantenphysik an der Universität, um die Zertifizierung für den Umgang mit großen Tesla-Spulen zu erhalten, die sie für ihre Kunst einsetzen möchte.

Ebenfalls Ende der sechziger Jahre beginnt sie, Glasmikrokugeln (winzige reflektierende Perlen, die üblicherweise zum Aufhellen von Autobahnlinien verwendet werden) in ihre Gemälde einzubetten, indem sie sie über weiße Acrylfarbe schichtet. Die Werke dieser White Light-Serie zeigen die Pinselführung der Künstlerin und sind meist als Gitter oder als einzelne, mit Mikrokügelchen bemalte Felder mit kontrastierenden flachen weißen Ecken komponiert.

In den siebziger Jahren erkundet Mary Corse neue Materialien und Prozesse für ihre Werke. Insbesondere bei ihren Experimenten mit Keramik sowie kleinen schwarzen Acrylquadraten, die sie in Acryl auf Leinwand aufträgt. Für diese Black Earth-Serie formt sie Tonplatten, die dann gebrannt und mit undurchsichtiger schwarzer Glasur bemalt werden. Die Serie wurde als Gegenstück zu ihren Mikrokügelchen-Gemälden konzipiert und dient als neue künstlerische Grundlage für Mary Corse nach einem Jahrzehnt der White-Light-Arbeiten. Um die Black Earth-Werke zu realisieren, baut sie übrigens persönlich ihren eigenen extragroßen Aufwindofen auf ihrem Grundstück.

Mary Corse kehrt später erneut zur White Light-Serie zurück – im Laufe ihrer jahrzehntelangen Karriere experimentiert sie mit verschiedenen Kompositionsformaten, Maßstäben, Formen und Farben innerhalb der Serie. Der vielleicht berühmteste Komposition ist die White Light Inner Band-Serie, mit Effekten, die durch eine neue Maltechnik mit Glasmikrokugeln erzielt wird. Die 1996 begonnene Serie zeichnet sich durch ein definiertes Innenband aus, das aus dem weißen Feld der Mikrokügelchen hervortritt und verschwindet, während die Betrachtenden an dem Werk vorbeigehen.

Wie die Kuratorin des Whitney Museums, Kim Conaty, im Katalog zu Mary Corse Ausstellung in Los Angeles: A Survey in Light erklärt, bestehen die Inner Bands „… aus sich verändernde Oberfläche, die viele verschiedene Zustände annehmen können und. einem aktiven Seherlebnis, das [Mary Corse] anstrebt. Sie zeigen, dass ein Monochrom durch die Wahrnehmung des Betrachters destabilisiert wird.“ Hier der Trailer zur Ausstellung:

Mary Corse – Einführung in eine Ausstellung im LACMA Museum Los Angeles – „A Survey in Light“

Einige ihrer Werke finden sich bei WikiArt: Mary Corse und mehr zur oben erwähnten Ausstellung im Jahre 2018 im Whitney Museum of American Art: A Survey of Light

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