Die Werke des argentinischen Künstlers Manolo Gamboa Naon – sein Künstlername ist Manoloide – gehören zu den wichtigsten zeitgenössischen Positionen der generativen Kunst. Seine Arbeiten wirken ruhig, klar und formal streng, entfalten jedoch bei näherer Betrachtung eine subtile Komplexität. Manoloide interessiert sich nicht für visuelle Effekte oder technische Demonstrationen, sondern für die innere Logik von Formen – und für die Frage, wie sich aus einfachen Regeln poetische Bildräume entwickeln lassen.

Im Zentrum seiner Praxis steht auch bei ihm – wie bei der generativen Kunst überhaupt – der Algorithmus als kompositorisches Werkzeug. Manoloide programmiert Systeme, die mit Wiederholung, Symmetrie, Spiegelung und Variation arbeiten. Linien, Kreise und modulare Formen ordnen sich zu seriellen Strukturen, die an klassische Positionen der Konkreten Kunst erinnern. Doch im Gegensatz zu deren statischer Geschlossenheit bleiben seine Arbeiten offen. Kleine Verschiebungen, minimale Abweichungen und rhythmische Brüche verhindern jede starre Ordnung.
Formal zeigen seine Werke eine große Nähe zur Zeichnung. Viele Arbeiten entstehen als Plotterzeichnungen, bei denen der digitale Entwurf in eine physische Spur übersetzt wird. Die Linie ist präzise, aber nicht steril. Sie trägt Zeit in sich, Bewegung, Prozess. Diese Materialität verleiht den abstrakten Kompositionen eine stille Präsenz und verbindet digitale Systeme mit der Tradition grafischer Kunst.
Manoloide arbeitet häufig mit seriellen Prinzipien. Ein Motiv wird variiert, moduliert, neu angeordnet. Das einzelne Bild ist dabei weniger wichtig als die Beziehung zwischen den Bildern. Diese Denkweise verweist direkt auf konstruktive und konkrete Kunst des 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig ist sie zutiefst zeitgenössisch, weil sie auf algorithmischem Denken basiert. Der Künstler definiert nicht das Ergebnis, sondern den Rahmen, in dem es entstehen kann.
Im Gegensatz zu vielen zeitgenössischen generativen Arbeiten verzichtet Manolide bewusst auf Bewegung, Interaktivität oder Immersion. Seine Werke sind still. Gerade darin liegt ihre Besonderheit. In einer von visueller Reizüberflutung geprägten Gegenwart setzt er auf Reduktion und Klarheit – nicht als Rückzug, sondern als Haltung. Manolides Arbeiten zeigen, dass algorithmische Prozesse nicht im Widerspruch zu Sensibilität und Präzision stehen. Im Gegenteil: Sie ermöglichen eine zeitgenössische Form geometrischer Abstraktion, die rational aufgebaut ist und zugleich offen bleibt für Wahrnehmung, Rhythmus und stille Poesie.
Mehr zum Künstler und seinen Werken auf den Webseiten des Kate Voss Studios: Manoloide — Kate Vass Studio
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