Casey Reas – Programmieren als künstlerische Handlung

Casey Reas steht wie kaum ein anderer für die zeitgenössische generative Kunst. Er ist Künstler, Programmierer, Theoretiker und Mitbegründer der Programmiersprache Processing, die weltweit Generationen von Künstlerinnen und Künstlern den Zugang zu algorithmischem Arbeiten eröffnet. In seinem Werk verschmelzen Kunst und Software zu einer Einheit, in der der Code nicht verborgen bleibt, sondern zum eigentlichen ästhetischen Material wird.

Geboren 1972 in den USA, bewegt sich Casey Reas früh zwischen Gestaltung und Technologie. Er studiert Medienkunst und Informatik und interessiert sich von Beginn an für die Frage, wie sich formale Regeln in visuelle Systeme übersetzen lassen. Anders als viele digitale Künstlerinnen und Künstler nutzt er den Computer nicht, um bestehende Bilder zu imitieren, sondern um neue Prozesse zu entwerfen. Seine Arbeiten entstehen aus präzise formulierten Algorithmen, die Linien, Punkte oder Flächen nach festgelegten Verhaltensweisen agieren lassen.

Ein zentrales Merkmal von Casey Reas’ Kunst ist ihre Prozesshaftigkeit. Seine Bilder sind keine statischen Kompositionen, sondern Momentaufnahmen eines fortlaufenden Systems. Elemente reagieren aufeinander, folgen Regeln, stoßen sich ab oder verbinden sich. Oft wirken die Arbeiten organisch, fast lebendig, obwohl sie auf strikt rationalen Vorgaben beruhen. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen mathematischer Ordnung und visueller Komplexität liegt ihre besondere Kraft.

International bekannt wird Casey Reas durch die Entwicklung von Processing gemeinsam mit Ben Fry. Die offene Programmiersprache macht es möglich, mit vergleichsweise einfachen Mitteln visuelle Algorithmen zu schreiben. Processing wird zu einem zentralen Werkzeug der generativen Kunst und prägt Lehre, Forschung und künstlerische Praxis weltweit. Casey Reas versteht diese Arbeit nicht als Nebenprojekt, sondern als Erweiterung seines künstlerischen Denkens: Das Werkzeug selbst wird Teil der ästhetischen Idee.

Inhaltlich knüpft Reas an Traditionen der Konkreten Kunst und der frühen Computerkunst an, ohne nostalgisch zu sein. Seine Werke sind entschieden zeitgenössisch. Sie reflektieren digitale Systeme, Netzwerke und die Logik von Software, ohne diese direkt abzubilden. Stattdessen macht Reas abstrakte Prozesse sichtbar, die den digitalen Alltag strukturieren, meist unbemerkt im Hintergrund.

Neben seiner künstlerischen Praxis ist Casey Reas auch als Professor und Autor aktiv. Er prägt das Verständnis von generativer Kunst als einer Disziplin, die Denken, Gestaltung und Technologie verbindet. Für ihn ist der Künstler kein bloßer Bildproduzent, sondern ein Entwerfer von Systemen. Casey Reas zeigt, dass Programmieren eine künstlerische Handlung sein kann. Seine Arbeiten machen deutlich, dass Kreativität nicht im Gegensatz zu Regeln steht, sondern aus ihnen hervorgeht.

Casey Reas und seine generative Kunst. Eine Einführung

Viel mehr zur generativen Kunst und jede Menge Fotos einer Werke im Webauftritt des Künstlers: Casey Reas. Ganz besonders sein auf den „Reas Index“ hingewiesen, mit über 500 seiner digitalen Werke: index.reas.com

Weiter hier noch ein Link zum Instagram Auftritt des Künstlers: Casey REAS (@reas) • Instagram-Fotos und -Videos

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